Entlang von zwei Panels diskutierten langjährige Weggefährten, akademische Freunde des Hauses und die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des IfZ über Broszats Bedeutung für die NS- und Holocaust-Forschung und fragten nach seiner Wirkungsgeschichte für die heutige Geschichtswissenschaft. Isabel Heinemann schlug dafür in ihrer Einführung vier analytische Schneisen: So war Broszat der erste deutsche Zeithistoriker, der eine Untersuchung der deutschen Besatzungspolitik in Polen vorlegte und damit Pionierarbeit leistete. In seinem Werk „Der Staat Hitlers“ entwickelte er seinen strukturalistischen Zugriff auf das nationalsozialistische Regim. Mit dem Forschungsprojekt „Bayern im Nationalsozialismus“ ebnete er den Weg für eine Sozial- und Alltagsgeschichte der NS-Diktatur. Für ein kontroverses Echo schließlich sorgte seine Forderung nach einer Historisierung des Nationalsozialismus, die in den berühmt gewordenen Briefwechsel mit Saul Friedländer in den Vierteljahrsheften für Zeitgeschichte mündete. Hier vor allem, so Isabel Heinemann, offenbarten sich erklärungsbedürftige Blindstellen und auffällige Empathiedefizite in Broszats Denken insbesondere gegenüber jüdischen Historikern, die nur schwer mit seinem radikalen Gestus der nüchternen, faktenbasierten Wissenschaft in Einklang zu bringen seien. Sie verwies deshalb auch auf das aktuell von der Forschungsstelle Zeitgeschichte in Hamburg bearbeitete Projekt „NS-Aufarbeitung im Zeichen ‚nüchterner‘ Sachlichkeit? Wissenschaftliche Praxis und Wissensproduktion am Institut für Zeitgeschichte (1949–1989)“, in dem Klaus Große Kracht und Niklas Lehnhard-Schramm der Geschichte des IfZ von seiner Gründung bis zum Ende der Ära Broszat nachgehen.