Siegfried Aufhäuser. Gewerkschafter, Politiker und jüdischer Sozialist, 1884-1969

Tagungstelegramm: Zeitgeschichte im Dialog mit Christian Zech und Ernst Piper

Siegfried Aufhäuser zählte in der Weimarer Republik zu den prominentesten Akteuren der Angestelltengewerkschaften. Als Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft freier Angestelltenverbände (AfA) rief er 1920 zum Generalstreik gegen den Kapp-Lüttwitz-Putsch auf. Im Reichstag profilierte sich der linke SPD-Abgeordnete vor allem in der Sozialpolitik und war maßgeblich am Gesetz zur Arbeitslosenversicherung und der Etablierung der Arbeitsgerichtsbarkeit beteiligt. Nach dem 30. Januar 1933 versuchte er vergeblich, seine Partei und die Gewerkschaften von einem Generalstreik gegen die NS-Machtübernahme zu überzeugen. Aufhäuser, der als Jude und Sozialist jederzeit mit seiner Verhaftung rechnen musste, entschloss sich im Mai 1933 zur Flucht aus Deutschland. Nach Exilstationen in Paris, Prag und London gelangte er 1939 nach New York, wo er als Journalist arbeitete und sich in der German Labour Delegation sowie im Council for a Democratic Germany engagierte. 1951 kehrte er nach West-Berlin zurück, wo er im Alter von 67 Jahren den Vorsitz des Landesverbandes der Deutschen Angestellten-Gewerkschaft übernahm. 

Der Historiker Christian Zech hat das bewegte politische Leben Siegfried Aufhäusers in seinen verschiedenen Facetten nachgezeichnet und mit seiner Biografie neue Blickwinkel auf die Geschichte der Angestelltengewerkschaften, der Sozialdemokratie und der Remigration jüdischer NS-Verfolgter nach 1945 eröffnet. Sein Buch hat er in der Reihe „Zeitgeschichte im Dialog“ vorgestellt, die in Kooperation mit der Bundeskanzler-Willy-Brandt-Stiftung stattfindet. Den Vortrag kommentierte Ernst Piper, die anschließende Diskussion hat Kristina Meyer moderiert.

Der Vortrag ist auch als Podcast in der Reihe “Zeitgeschichte erleben” verfügbar.



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