Mit der Soirée „Tanz den Sozialismus!“ im Theater TD erschloss das Berliner Kolleg Kalter Krieg des Instituts für Zeitgeschichte München−Berlin (BKKK | IfZ) gleich in doppelter Hinsicht Neuland: Das Transfer-Format ‚Wissenschaft im Theater‘ in Kooperation mit der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur (BSTA) ermöglichte eine immersive Erfahrung aus Podium, Tanzkurs, Theaterstück, Live-Musik und DJ-Set; methodisch bot es innovativen Ansätzen der Geschichtsforschung mit künstlerischen Mitteln die Bühne. Inhaltlich fasste es den längsten Spannungskonflikt des 20. Jahrhunderts als transnationale Körper-, Geschlechter- und Gesellschaftsgeschichte.
Nach einem Grußwort von Franziska Kuschel (BSTA) und einer Einführung von Bodo Mrozek (BKKK | IfZ) über sensorische Konfliktführung im Kalten Krieg stellte Christopher Klauke vom Max-Planck-Institut für Wissenschaftsgeschichte (MPIWG) sein Projekt zur frühen Musikforschung der DDR vor: Um 1959 gab die SED-Führung geheime Musikforschung in Auftrag; Ziel war es, die vermeintlich kapitalistische Struktur der Melodien von Rock’n’Roll und westlichen Schlagern zu analysieren, um mit denselben musikalischen Mitteln sozialistische Gegenmelodien komponieren zu können.
Dies versuchte im Jahr 1959 die 1. DDR-Tanzmusikkonferenz in der erst 1950 gegründeten Bergbaustadt Lauchhammer in die Praxis umzusetzen. Der Dramatiker Lothar Berndorff und die Regisseurin Janette Mickan haben im Archiv die Protokolle dieser Konferenz ausfindig gemacht und diese im Theaterstück ‚Die Lauchhammer Files‘ mit dem Ensemble LUNATIKS inszeniert.