„Denkt daran, dass ihr katholisch seid, dass eure Eltern und Grosseltern katholisch waren, dass alle euere Vorfahren Christen waren. (..) Treue wurde immer als eine deutsche Tugend bezeichnet! Darum haltet sie in erster Linie gegenüber eurem Gott und Schöpfer.“ So schreibt der Frankfurter Kaufmann August Eicheler am 1. September 1939 seinen Kindern über den Kriegsbeginn, den der damals 45-jährige als gerade erst eingezogener Soldat erlebte. Das Zitat steht sinnbildlich für den Wertekonflikt, dem sich die tief im katholischen Milieu verwurzelte Familie in der NS-Diktatur ausgesetzt sah. Erhöhte die Werte-Gegenwelt des katholischen Milieus die Chance zur Widerstandsfähigkeit?
Der Nachlass von August Eicheler, dem das IfZ-Archiv zum bundesweiten „Tag der Archive“ eine Ausstellung im Foyer des Instituts gewidmet hat, ermöglicht differenzierte Einblicke in diesen täglichen Kampf zwischen Anpassung und Verweigerung. Begleitend zur Ausstellung haben Klaus Eicheler (Enkel von August Eicheler), Markus Roth (Fritz Bauer Institut) und Thomas Schlemmer (Chefredakteur der Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte) diskutiert, welche Perspektiven und Erkenntnisse die privaten Aufzeichnungen des Frankfurter Kaufmanns für die lokale und überregionale Geschichte des Widerstands bieten. Moderiert hat Josef Naßl (Stv. Leiter des IfZ-Archivs).