Zum 100. Geburtstag

Eine deutsche Nachkriegsgeschichte: Der Nachlass von Hildegard Hamm-Brücher (11.5.1921-7.12.2016) im IfZ-Archiv

Sie gilt als Grande Dame der FDP - obwohl sie der Partei noch mit über 80 Jahren den Rücken kehrte: Hildegard Hamm-Brücher, die streitbare Liberale und eine der prägenden Figuren der bayerischen und deutschen Nachkriegsgeschichte, wäre am 11. Mai 100 Jahre alt geworden. Schon zu Lebzeiten hat sie ihre umfangreiche Sammlung dem Institut für Zeitgeschichte gewidmet. Mehr als 60 Regalmeter aus ihrem Leben stehen dort für die zeitgeschichtliche Forschung bereit.

Als Hildegard Brücher wurde sie 1921 in Essen geboren. Ihr Studium der Chemie führte sie 1940 nach München, wo sie 1945 an der Ludwig-Maximilians-Universität auch den Doktortitel erwarb. In den Nachkriegsjahren arbeitete sie zunächst als Journalistin. Ihr Sprungbrett in die Politik war das Münchner Rathaus, wo sie seit 1948 im Stadtrat saß. Doch schon 1950 folgte die Kandidatur für den Bayerischen Landtag, dem sie bis 1966 und erneut 1970 bis 1976 angehörte. Nach einem Intermezzo als Staatssekretärin im Hessischen Kultusministerium rückte die passionierte Bildungspolitikerin ab 1969 als Staatssekretärin ins Bundesministerium für Bildung und Wissenschaft auf. In der sozialliberalen Regierung Schmidt-Genscher zog Hildegard Hamm-Brücher 1976 bis 1982 als Staatssekretärin ins Auswärtige Amt ein. 1994 kandidierte sie für die FDP als Bundespräsidentin. Am 7. Dezember 2016 starb sie mit 95 Jahren in München.

Schon in den frühen 1990er Jahren hatte Hildegard Hamm-Brücher erste Teile ihrer Sammlung an das Institut für Zeitgeschichte übergeben. Der Bestand reicht von Presse- und Rundfunkbeiträgen aus ihrer journalistischen Arbeit nach 1945 über umfangreiche Korrespondenz aus ihrer politischen Tätigkeit bis hin zu privaten Unterlagen und Fotografien. Auf der Basis dieses Nachlasses arbeitet die IfZ-Historikerin Petra Weber derzeit an einer Biografie der Nachkriegspolitikerin. Der Bestand ED 379 ist online in der Datenbank des IfZ-Archivs recherchierbar.



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