„Mutterglück“ und Biopolitik – Schwangere und junge Mütter in der NS-Diktatur

 

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter (IfZ):  Dr. Sven Keller

Projektinhalt:  

Mutterschaft zählt zum Privatesten im Leben einer Frau. Die NS-Ideologie sah darin jedoch mehr als eine private Angelegenheit: Junge Frauen und werdende Mütter sollten als „deutsche Mütter“ den Fortbestand des eigenen Volkes sichern. Das Regime stilisierte diesen Anspruch zum eigentlichen Zweck des weiblichen Daseins, heroisierte das weibliche Rollenmodell völ-kischer Pflichterfüllung und verknüpfte es mit der Verheißung privaten Glücks als Lebensspenderin. Auch die Unterstützungsangebote von Staat und Partei erweiterten den Zugriff auf das Private.

Erwünscht waren nur „erbgesunde“ und „arische“ Nachkommen. Wer nicht den biologistischen und rassistischen Anforderungen der NS-„Volksgemeinschaft“ entsprach, sollte keine Kinder haben. „Erbkranke“, „asoziale“ und jüdische Frauen oder Zwangsarbeiterinnen mussten abtreiben oder sich sterilisieren lassen; das Regime nahm ihnen die Verfügungsgewalt über ihren eigenen Körper und ihre neugeborenen Kinder.

Vor diesem Hintergrund untersucht das Projekt Mutterschaft als ideologisches Konzept und Gegenstand nationalsozialistischer Biopolitik ebenso wie die Erfahrungen und Handlungsformen der davon betroffenen Frauen. Insbesondere für die „Mehrheitsgesellschaft“ stellt sich die Frage, ob es im Nationalsozialismus „Normalität“ im Privaten gab, und wie die subjektive Wahrnehmung von „Normalität“ im Zusammenhang stand mit traditionellen Tendenzen der Sozialintervention und neuen, nationalsozialistisch-biologistischen Normsetzungen und Nor-mierungspraktiken. Änderten sich die Vorstellungen von Normalität und die Selbstverortung, und unter welchen Umständen reagierten auf Veränderungen ihrer privaten „Normalität“ durch Übergriffe des Regimes?


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