Ethnische „Säuberungen“ im 19. und 20. Jahrhundert

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter (IfZ):  Prof. Dr. Michael Schwartz
Projektinhalt:

Im Zentrum dieses Projekts von Michael Schwartz stehen globale Wechselwirkungen nationalistischer und rassistischer Politik der gewaltsamen Verdrängung oder gar Ermordung ethnischer oder ethnoreligiöser Bevölkerungsgruppen im 19. und 20. Jahrhundert. Zudem wird darin eine Typologie moderner politischer Alternativprogramme zum Umgang mit ethnischer Vielfalt (Minderheitenschutz, Föderalismus, „Säuberung“) am Beispiel der Zwischenkriegszeit 1919–1939 entfaltet.


Die Analyse setzt mit dem auch in dieser Hinsicht als „Urkatastrophe“ zu betrachtenden Ersten Weltkrieg ein, der einen „Dammbruch“ für Planungen (insbesondere in Deutschland) und teilweise bereits für Realisierungen ethnisch motivierter Massendeportationen (vor allem im Osmanischen Reich und im Russischen Reich) bedeutete. Anschließend behandelt die Studie den bisherigen Kulminationspunkt dieser ethnischen Gewaltpolitik im Zweiten Weltkrieg, als nicht nur diverse Vertreibungen und Deportationen erfolgten, sondern das NS-Regime millionenfachen Völkermord an den europäischen Juden beging. Bearbeitet wird in diesem Teil auch die Nachkriegszeit zwischen 1945 und 1948, darunter insbesondere die Vertreibung der Deutschen aus Ostmitteleuropa. In einem vierten Schritt wird der Balkan als innereuropäisches „Labor“ für ethnische „Säuberungen“ analysiert. Diese begannen dort – meist unter Beteiligung der westlichen Großmächte – bereits ein Jahrhundert vor dem Ersten Weltkrieg und damit früher als anderswo, und sie weiteten sich sukzessive aus – bis hin zu den aktuellen Gewalttaten des jugoslawischen Bürgerkrieges der 1990er Jahre. In einem fünften Schritt schließlich werden außereuropäisch-globale Wirkungszusammenhänge diskutiert: Von den auf Vertreibung oder Ermordung eingeborener Völker abzielenden Einwanderer-Demokratien Amerikas und Australiens über die globale Gewaltdynamik kolonialimperialistischer Deportationspolitik und deren Gewalttransfer ins Europa der beiden Weltkriege bis hin zu den seit 1945 fortwirkenden Transfers außerhalb Europas, was am Beispiel Indien/Pakistans und Israel/Palästinas diskutiert wird.






© Institut für Zeitgeschichte