Das globale Flüchtlingsregime im Mittleren Osten seit den späten 1970er Jahren: Konzepte, Akteure, Praktiken

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter (IfZ):  Dr. Agnes Bresselau von Bressensdorf
Projektinhalt:

Der sowjetische Einmarsch in Afghanistan 1979 und der daran anschließende, bis 1989 andauernde Krieg lösten den weltweit größten Massenexodus seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs aus. Mit dem iranisch-irakischen Krieg stieg die Zahl der Flüchtlinge in dieser für Washington und Moskau sowie ihre jeweiligen Verbündeten geostrategisch, sicherheits- und energiepolitisch bedeutenden Region ein weiteres Mal signifikant an.

Hier setzt das Projekt an und analysiert unter Rückgriff auf bislang überwiegend in der Politikwissenschaft diskutierte Ansätze der Global Governance die Konzepte, Akteure und Praktiken humanitärer Hilfe, die zur Etablierung eines globalen „Flüchtlingsregimes“ beitrugen. So wird erstens nach den Normen und Prinzipien gefragt, denen die unterschiedlichen Konzepte und Programme der Flüchtlingshilfe zugrunde lagen. Inwieweit spielten moralische und philanthropische, religiöse oder ideologische Motive eine Rolle, welche Bedeutung hatten menschenrechtliche oder entwicklungspolitische Überlegungen, welche Interessenkonstellationen formten den Diskurs? Zweitens werden die zentralen Akteure des globalen Netzwerks humanitärer Hilfe auf internationaler, transnationaler und nationaler Ebene untersucht. Dies umfasst multilaterale Organisationen wie die UNO und dessen Flüchtlingshilfswerk UNHCR ebenso wie die Europäische Gemeinschaft, nichtstaatliche Akteure wie das Internationale Rote Kreuz ebenso wie ausgewählte NGOs im Bereich der Flüchtlingshilfe. Die nationale Ebene wird exemplarisch am Beispiel der Bundesrepublik Deutschland in den Blick genommen. Drittens werden die konkreten Praktiken humanitärer Hilfe vor Ort untersucht. Auf welche Probleme stießen die Akteure in den Flüchtlingslagern, wie wurde ihr Engagement von den Flüchtlingen selbst wahrgenommen? Welche Rolle spielten Kompetenzstreitigkeiten und Konkurrenzverhältnisse im Kampf um begrenzte finanzielle Ressourcen und mediale Aufmerksamkeit, wo bestanden Möglichkeiten der Zusammenarbeit? Wie gingen die Akteure mit der Diskrepanz zwischen ihrem humanitären Auftrag einerseits und ihrer Abhängigkeit von den machtpolitischen Realitäten andererseits um?

Auf Basis dieser Fragestellungen will das Projekt einen Beitrag zur Geschichte der internationalen Beziehungen in einer sich globalisierenden Welt leisten und die seit den 1970er Jahren entstehende netzwerkartige Struktur des Politikfeldes humanitärer Hilfe herausarbeiten.




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