Arbeit durch Umwelt: Sozialdemokratie und Ökologie 1969 – 1998

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter (IfZ):   Felix Lieb
Projektinhalt:

Beginnend mit den Diskussionen um die sogenannten „Grenzen des Wachstums“ und verstärkt durch die breiten zivilgesellschaftlichen Proteste gegen die Nutzung der Kernenergie entwickelte sich in den 1970er-Jahren in der SPD eine Diskussion um die Umweltverträglichkeit wirtschaftlichen Wachstums, die Gefahren der Atomkraft und den richtigen Umgang mit dem Aufstieg von Bürgerinitiativen und Grünen. Diese „Ökologisierung“ der SPD bewegte sich gleich in einem doppelten Spannungsfeld: Einerseits zwischen dem traditionellen sozialdemokratischen Grundwert der „Arbeit“ und dem neuen der „Umwelt“, denn die Kernfrage sozialdemokratischer Umweltschutzkonzepte war stets, wie sich die Erhaltung der natürlichen Lebensgrundlagen mit einer arbeitnehmerfreundlichen Wirtschaftspolitik verbinden lasse. Anderseits agierte sie in einem Spannungsfeld zwischen den Organisationsmodellen von „Partei“ und Bewegung“, denn der Zweck einer genuin sozialdemokratischen Umweltpolitik war auch, sich von der Umweltbewegung und ihrem basisdemokratischen Politikverständnis abzugrenzen. Lange Zeit war jedoch unklar, inwieweit Wähler und Mitglieder der Grünen in die Partei integriert oder gar Koalitionen mit der neuen grünen Partei eingegangen werden sollten. Ebenso blieb das Verhältnis von Umweltschutz und Wachstumspolitik im sozialdemokratischen Politikverständnis widersprüchlich.

Das Dissertationsprojekt soll folgende Fragen klären: Wodurch wurde eine genuin sozialdemokratische Umwelt- und Energiepolitik charakterisiert? Wie wurde versucht, „Umwelt“ in den traditionellen Grundwertekanon der Sozialdemokratie zu integrieren? In welchem Zusammenhang stand die umweltpolitische Positionierung der Partei mit dem sich wandelnden Kurs der SPD in der Wirtschafts- und Beschäftigungspolitik? Und welche Rolle spielten alternative Vorstellungen von Politik und (Basis-)Demokratie im Verhältnis zu den Grünen und ihrer Wählerklientel?

Damit soll die übergeordnete Leitfrage beantwortet werden, ob eine Erneuerung und Modernisierung politischer Volksparteien wie der SPD angesichts des Aufstiegs von Umweltbewegung und Umweltpolitik seit den 1970er-Jahren möglich war, sowohl in programmatischer als auch struktureller Hinsicht. In einer Erweiterung der Politikgeschichte um kultur- und sozialgeschichtliche Perspektiven wird die deutsche Sozialdemokratie damit auf Symptome des „Wandels des Politischen“ in der Epoche „nach dem Boom“ untersucht.

 

Die Dissertation ist an das Verbundprojekt „Geschichte der Nachhaltigkeit(en) Diskurse und Praktiken seit den 1970er Jahren“ der Leibniz-Gemeinschaft assoziiert.




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