Aufbrüche zur „Energiewende“: Ökologische Diskurse und Energiepolitik in der Bundesrepublik Deutschland und in Großbritannien, 1970er bis 1990er Jahre

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter (IfZ):  Dr. Eva Oberloskamp
Projektinhalt:

Die „Energiewende“ ist ein Konzept, das heute weltweit erheblichen politischen und teilweise auch wirtschaftlichen Einfluss erlangt hat. Die Geschichte der „Energiewende“ – verstanden als programmatisches Ideal – reicht bis in die 1970er Jahre zurück: In der Bundesrepublik wurden damals im Kontext der Umwelt- und Anti-Atomkraft-Bewegung erstmals ökologische Energie-Konzepte entwickelt, die mit der Gründung von NGOs, alternativ-wissenschaftlichen Forschungseinrichtungen und dem Aufstieg der „Grünen“ als politischer Kraft allmählich an gesamtgesellschaftlichem und politischen Einfluss gewannen. Ähnliche Entwicklungen – die freilich teilweise erhebliche nationale Spezifika aufwiesen – gab es auch in anderen europäischen Staaten. Großbritannien bildet dabei einen interessanten Vergleichsfall zur Bundesrepublik, weil die britische Politik seit den 1980er Jahren vor allem darauf setzte, dass liberalisierte und konkurrenzfähige Märkte auch das Problem einer umweltverträglichen Energieversorgung lösen könnten. In der Bundesrepublik gewannen Vorstellungen einer ökologischen Modernisierung größeren Einfluss, die darauf zielten, durch technologische Innovationen den industriegesellschaftlichen Entwicklungspfad mit ökologischen Anforderungen zu versöhnen. Ein weiterer Unterschied zwischen den beiden Staaten besteht im jeweiligen Verhältnis zur Atomenergie: Während sich in der Bundesrepublik eine schrittweise Abkehr von dieser Energiequelle nachzeichnen lässt, hält Großbritannien bis in die Gegenwart an der Kernkraft fest.

Das Projekt befasst sich mit der Genese, Entwicklung und politischen Relevanz von Diskursen über den Zusammenhang von Energie und Ökologie in der Bundesrepublik Deutschland und in Großbritannien von den 1970er Jahren bis in die 1990er Jahre. Es fragt, durch welche gesellschaftlichen Akteure, kommunikativen Prozesse und Deutungsmuster diese Diskurse produziert, strukturiert und tradiert wurden und welchen Einfluss sie auf energiepolitische Maßnahmen und dadurch auch auf die Ausformung des Energiesektors erlangten. Analysiert werden die Interaktionen von vier Akteursgruppen: soziale Bewegungen, Wissenschaft, Wirtschaft und staatliche Politik. Methodisch strebt die Arbeit einerseits eine Verbindung aus Diskurs- und Politikgeschichte an. Andererseits bildet sie auch eine Kombination aus Vergleichs- und Transfergeschichte: Sie vergleicht auf systematische Weise ökologische Diskurse und korrespondierendes Handeln in den beiden Staaten und nimmt gleichzeitig vielfältige Transferprozesse in den Blick – etwa transatlantische Einflüsse sowie Verbindungen zwischen globaler und nationaler Diskursebene.

Die Postdoc-Studie bildet ein Teilprojekt des von Elke Seefried geleiteten IfZ-Forschungsprojekts Geschichte der Nachhaltigkeit(en).




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