Biographie über Hildegard Hamm-Brücher

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter (IfZ):  Dr. Petra Weber
Projektinhalt:

Als Hildegard Hamm-Brücher Ende 2016 starb, galt sie als Grande Dame und moralische Instanz der Bundesrepublik und des Liberalismus. In den letzten Jahren ihres Lebens hatte sie selbst daran gearbeitet, Deutungshoheit über ihr Leben und ihr politisches Wirken zu gewinnen. Es soll herausgearbeitet werden, ob und mit welchem Ziel sie eine bewusste Erinnerungskonstruktion betrieb, z.B. im Hinblick auf ihre Zugehörigkeit zum Widerstandskreis der „Weißen Rose“. Eine der zentralen Fragen der Arbeit wird sein, wie sie sich als Frau in einer von Männern dominierten politischen Welt durchzusetzen vermochte bzw. scheiterte und welches Konzept von weiblicher Emanzipation sie entwickelte. Es gilt zu erörtern, inwieweit ihr Verständnis von Demokratie, Parlamentarismus und Liberalismus durch die Erfahrungen des Nationalsozialismus geprägt war und ob und in welche Zielrichtung es sich unter dem Einfluss westlicher Vorbilder wandelte. Dabei wird auch der enge Konnex, den Hildegard Hamm-Brücher zwischen Demokratie und Bildungspolitik herstellte, und ihr Umgang mit den bildungsbürgerlichen Werten ihrer Jugend in den Blick genommen werden. Auch die Geschichtspolitik, die sie seit den 1980er Jahren betrieb, weil sie die Angst vor der Wiederkehr des nach 1945 Verdrängten überfiel, soll thematisiert werden. Ziel der Studie ist eine klassische Biographie, die aber die Konstruktion von Selbstbildern problematisiert.




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