Die Privatisierungspolitik der Treuhandanstalt: Zwischen Ordnungspolitik und Pragmatismus

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter (IfZ):  Dr. Katja Fuder
Projektinhalt:

Das Projekt befasst sich mit den politischen Entscheidungsprozessen hinter der Privatisierungspolitik der Treuhandanstalt. Untersucht werden sollen das Privatisierungsmodell, die zentralen Akteure sowie ihre wirtschaftspolitischen Intentionen und Vorstellungen. Dabei sind insbesondere das Bundesfinanzministerium als federführende und politisch verantwortliche Behörde sowie das Bundeswirtschaftsministerium und das Bundeskanzleramt von Interesse, die an der Konzeption der Privatisierungspolitik maßgeblich beteiligt waren. Eine wichtige Frage ist, wie eng die politischen und ökonomischen Handlungsspielräume eingeschätzt wurden und ob die Privatisierungspolitik in ihrer Ausgestaltung alternativlos war. Zu beachten ist dabei die spezifische Herausforderung, dass parallel zur wirtschaftlichen Transformation Ostdeutschlands und der Schaffung marktwirtschaftlicher Strukturen eine Integration zweier zuvor getrennter Volkswirtschaften stattfand. Auffallend sind zudem die großen Unterschiede zwischen den Privatisierungsmodellen in Ost- und Westdeutschland. In Westdeutschland wurden Unternehmen des Bundes nach Ende des Zweiten Weltkriegs durch die zuständigen Ministerien über einen langen Zeitraum und oft im Rahmen von Teilprivatisierungen zu einem Großteil über Aktienemissionen veräußert. Im Fall Ostdeutschlands hingegen verkaufte eine dem Bundesfinanzministerium unterstellte Anstalt des öffentlichen Rechts Betriebe direkt, schnell und vollständig an private Investoren. Diese Neukonzeption der Privatisierungspolitik soll im historischen Kontext ergründet und eingeordnet werden.




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