Engagement, Erwartung und Enttäuschung bei britischen NGO-Aktivisten

Abgeschlossenes Projekt

Projektinhalt:

Die Studie von Matthias Kuhnert widmet sich dem zivilgesellschaftlichen Engagement von Aktivisten in Nichtregierungsorganisationen. Sie fragt insbesondere nach den Erwartungshaltungen und ideologischen Vorstellungen, die mit der Tätigkeit in transnational agierenden NGOs verbunden waren.
Dem nähert sich die Arbeit, indem sie Enttäuschung als Schlüsselerfahrung politisch-sozialen Engagements untersucht. Dadurch öffnet sich einerseits eine Perspektive auf die Motivation der Akteure, sich in NGOs zu betätigen. Andererseits bietet die Analyse von Enttäuschung einen Zugang, um den Umgang der Aktivisten mit Konflikten und Rückschlägen während des Engagements zu erschließen.

Als Untersuchungsobjekt dient dabei die Entwicklungshilfeorganisation War on Want, die Anfang der 1950er Jahre von Intellektuellen und Vertretern der britischen Arbeiterbewegung gegründet wurde. Von Beginn an verschrieb sich die NGO der Vision von einer gerechten Verteilung des weltweiten Wohlstands und der Überwindung der Armut in der Dritten Welt. Obwohl diese Prämissen weitgehend unverändert blieben, vollzog War on Want im Laufe der folgenden Jahrzehnte diverse Strategie- und Kurswechsel, die jeweils von intensiven Debatten über die „richtige“ Ausrichtung der Organisation begleitet wurden. Bei all diesen Kontroversen spielte Enttäuschung über die mangelnde Umsetzung der eigenen ambitionierten und ideologisch überhöhten Ziele eine entscheidende Rolle.

Vergleichend zu War on Want wird Amnesty International untersucht. Denn obwohl auch die Aktivisten bei Amnesty mit enttäuschenden Erfahrungen konfrontiert wurden, kam es dort in weit geringerem Maße zu Änderungen der Arbeitsweise, in deren Zentrum stets die Unterstützung politischer Gefangener stand. Untersucht wird daher, ob das Engagement bei Amnesty International aufgrund der anders gelagerten Zielsetzung mit weniger hochfliegenden Erwartungen verbunden war und deshalb Enttäuschung dort weniger Konflikte und Neuorientierungen auslöste.
Es wird somit verglichen, wie sich Enttäuschung einerseits angesichts ideologisch geprägter, hoch gesteckter Ziele und andererseits im Rahmen pragmatischerer Erwartungshaltungen auf das zivilgesellschaftliche Engagement der Aktivisten auswirkte.

Das Projekt entsteht im Rahmen der Leibniz Graduate School „Enttäuschung im 20. Jahrhundert. Utopieverlust – Verweigerung – Neuverhandlung“, die vom Institut für Zeitgeschichte München-Berlin in Kooperation mit der Abteilung für Neueste Geschichte und Zeitgeschichte des Historischen Seminars der LMU eingerichtet wurde.

Publikationen im Rahmen des Projekts

Humanitäre Kommunikation.

Matthias Kuhnert

Humanitäre Kommunikation.

Quellen und Darstellungen zur Zeitgeschichte

Berlin 2017


 



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