Erwartungen so hoch wie die Häuser selbst

Projektinhalt:

In ihrem Dissertationsprojekt untersucht Carla Aßmann Großsiedlungen des sozialen Wohnungsbaus aus den 1960er Jahren in vergleichender und emotionshistorischer Perspektive. Standardisierter Massenwohnungsbau galt zur Zeit der Planung solcher Siedlungen nicht nur als Lösung für die immer noch drängende Wohnungsfrage, die neuen, komfortablen staatlich geförderten Wohnungen für die „breiten Schichten der Bevölkerung“ wurden zum Inbegriff gesellschaftlicher Fortschritts- und Nivellierungserwartungen stilisiert. Doch bereits kurz nach dem Einzug der ersten Bewohner erfuhr das Image einen radikalen Wandel, der schlechte Ruf hat bis in die Gegenwart Bestand. Das Projekt zielt darauf, am Beispiel zweier Siedlungen, dem Märkischen Viertel in Berlin und dem Stadtteil Toulouse Le Mirail, die im Voraus gehegten Erwartungen auf den Ebenen von Planern und Architekten, Verwaltung und Bewohnern und das Zusammentreffen mit der erlebten Wirklichkeit zu erfassen. Zu fragen ist danach, ob und wie die Enttäuschungserfahrung als gemeinsamer Hintergrund die Prozesse der Neuverhandlung der Akteure vor Ort strukturiert hat. Von Interesse sind außerdem die nachträglichen Bewertungen der Verantwortlichen und die Frage, inwieweit hier die enttäuschten Erwartungen Auswirkungen auf spätere Projekte hatten.




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