Karl Süßheim (1878-1947). Eine Biographie über Grenzen

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter (IfZ):   Kristina Milz
Projektinhalt:

Das Promotionsprojekt von Kristina Milz folgt dem Münchner Orientalisten Karl Süßheim in verschiedensten Kontexten: Sozialisiert im fränkisch-jüdischen Bürgertum, brach der junge Historiker zu Beginn des 20. Jahrhunderts auf ins Osmanische Reich. Zunächst in Konstantinopel, später in Kairo, sollten Süßheims Erfahrungen und Bekanntschaften im Nahen Osten ihn maßgeblich prägen. Zurück in Bayern wurde er außerordentlicher Professor für islamische Geschichte und orientalische Sprachen an der LMU. Im Ersten Weltkrieg noch für die Militärzensur tätig und ausgezeichnet, erhielt Süßheim 1933 Berufsverbot. Nach einer Haft im KZ Dachau im Jahr 1938 entschloss er sich zur Emigration, die 1941 gelang. Bis zu seinem Tod 1947 lehrte er in Istanbul. Als gläubiger Jude verheiratet mit einer Katholikin, als glühender Patriot verfolgt von Antisemiten und als Wissenschaftler zwischen den Stühlen einer „alten“ und einer „neuen“ Orientalistik, offenbart Süßheim eine Verbindung, in der sich Ambiguitäten im Leben eines europäischen Akademikers in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts in besonderer Weise zeigen. Süßheim war ein Grenzgänger – und in vielerlei Hinsicht ein Außenseiter, der Zeit seines Lebens mit gesellschaftlichen Schranken zu kämpfen hatte. Seine Hoffnungen, Leistungen und sein Scheitern erhellen Möglichkeits- und Handlungsspielräume innerhalb eines transnationalen Milieus.




© Institut für Zeitgeschichte