Kontinuitäten und Neuanfänge nach dem Nationalsozialismus: Das Bundesministerium für Gesundheitswesen

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter (IfZ):  Dr. Franziska Kuschel
Projektinhalt:

13 Jahre nach Gründung der Bundesrepublik schuf die Bundesregierung mit dem neuen Ministerium für Gesundheitswesen eine zentrale Instanz zur Koordinierung und Gestaltung der bundesdeutschen Gesundheitspolitik. Mit dieser Ressortgründung im Jahr 1962 holte sie eine Entwicklung nach, die in allen westeuropäischen Staaten und auch in der DDR bereits vollzogen worden war.

Das Forschungsprojekt untersucht den Neuaufbau des Gesundheitsressorts, in dem anfangs auch umweltpolitische Themen und Fragen des Verbraucherschutzes beheimatet waren, und fragt nach dem gesundheitspolitischen Handeln der Akteure bis in die 1970er Jahre. Ein Schwerpunkt bildet dabei die Frage nach personellen, institutionellen und programmatischen Kontinuitäten und Brüchen nach dem Nationalsozialismus. So wird zum einen die Auswahl der leitenden Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Bundesministerium untersucht und erfasst, in welchem Umfang das Personal ehemals nationalsozialistischen Organisationen angehörte. Darüber hinaus wird nach möglichen Belastungen durch frühere berufliche Tätigkeiten gefragt, etwa durch die Mitwirkung an rassistischen Praktiken der NS-Gesundheitspolitik wie Zwangssterilisationen und „Euthanasie“-Verbrechen oder an der medizinischen Unterversorgung von Kriegsgefangenen und Zwangsarbeitern.
Zum anderen untersucht das Projekt, inwieweit gesundheitspolitische Traditionen aus der Zeit des Nationalsozialismus sowie aus der Zeit vor 1933 die Arbeit des Ministeriums prägten. Gefragt wird, wie das neue Ministerium sich mit diesen Traditionen auseinandersetzte, welche Neuausrichtungen der Gesundheitspolitik zu beobachten sind und welche sachpolitischen Folgen die Personalpolitik des Ministeriums hatte.

Die Leitung des vom Bundesministerium für Gesundheit geförderten Projekts liegt in den Händen von Prof. Dr. Andreas Wirsching und Prof. Dr. Johannes Hürter. Es steht in enger Kooperation zu einem Parallelprojekt am Zentrum für Zeithistorische Forschung in Potsdam, das seit Juli 2017 das Ministerium für Gesundheitswesen der DDR erforscht. Es schließt zudem an das Forschungsprojekt über die „Hüter der Ordnung. Die Innenministerien in Bonn und Ost-Berlin nach dem Nationalsozialismus“ an, das unter anderem die Vorgeschichte des Gesundheitsressorts im Blick hatte.




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