SED-Geschichte zwischen Mauerbau und Mauerfall

Projektinhalt:

Das 2013 abgeschlossene Forschungsvorhaben wurde im Rahmen des Stipendienprogramms „Die SED-Geschichte zwischen Mauerbau und Mauerfall“ der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur durchgeführt. Es war als Verbundprojekt des Instituts für Zeitgeschichte mit der Universität Leipzig (Lehrstuhl Neuere und Zeitgeschichte, Prof. Dr. Günther Heydemann) und der Technischen Universität Chemnitz (Lehrstuhl Politische Systeme, Politische Institutionen Prof. Dr. Eckhard Jesse) konzipiert. Die Koordination des Forschungsverbundes lag beim Institut für Zeitgeschichte. Das von der DFG geförderte und von Heike Amos am Institut für Zeitgeschichte bearbeitete Projekt war ebenfalls Teils dieses Projektverbunds.

Im Zentrum des Forschungsvorhabens steht das komplexe Bild der diktatorischen Herrschaftsausübung der SED. Um diese tiefer auszuleuchten, verbindet die Analyse die Binnenstruktur und das Innenleben der Partei mit den zentralen Elementen der Steuerungs- und Kontrollmechanismen innerhalb des Staatsapparates. Die im Forschungsvorhaben verbundenen Projekte greifen somit in Forschungskontroversen ein, die um die „Grenzen der Diktatur“, die „Durchherrschung“ der Gesellschaft und den gesellschaftspolitischen Gestaltungsanspruch der SED kreisen. Damit verstehen sich die Untersuchungen zur Geschichte der SED zugleich als Geschichte des von ihr mit sowjetischer Unterstützung errichteten Herrschafts- und Gesellschaftssystems, die der Frage nach der tatsächlichen Reichweite totalitärer Machtansprüche nachgeht.


11.1 Die SED zwischen Mauerbau und Mauerfall. Strukturen, Eliten und Konflikte (1961-1989)

Mit diesem 2010 begonnenen und im Januar 2013 abgeschlossenen Projekt analysiert Andreas Malycha das strukturelle Innenleben und die Auseinandersetzungen im inneren Machtzirkel der SED. Im Mittelpunkt stehen innerparteiliche Konflikte und Entscheidungsabläufe auf verschiedenen Organisationsebenen, insbesondere auf der zentralen Ebene, die politisch-soziale Entwicklung der Mitgliedschaft sowie das Verhältnis von Parteizentrale und Bezirksebene für den Zeitraum von 1961 bis 1989/90. Dabei spielen politische Auseinandersetzungen, Strömungen und Machtkämpfe innerhalb des Politbüros der SED eine zentrale Rolle. Das betrifft u.a. Konflikte, die aus dem Übergang zu einer exzessiven Sozialpolitik resultierten, die zur Erosion der wirtschaftlichen Grundlagen der SED-Herrschaft beitrug. Gegen die Entscheidung für eine kurzfristige Stabilisierung politischer Herrschaft durch soziale Leistungen auf Kosten der mittel- und langfristigen Stabilität der DDR wurden seit der zweiten Hälfte der 1970er Jahre Einwände erhoben, die zu Auseinandersetzungen in der obersten Führungsetage der SED führten. Motive und Hintergründe dieser Konflikte werden in diesem Projekt anhand der Archivüberlieferungen analysiert.

Damit liegt nun erstmals eine umfassende Darstellung der Herrschaftsmechanismen innerhalb der Staatspartei SED für die Honecker-Ära vor, in deren Rahmen Politbüro, Sekretariat des ZK sowie der zentrale Parteiapparat der SED als die eigentlichen Stützen der kommunistischen Diktatur im Mittelpunkt stehen.

Das Gesamtmanuskript wurde dem Wissenschaftlichen Beirat des Instituts zur Begutachtung vorgelegt, der es im Dezember 2013 zur Drucklegung empfahl. Die abschließende Überarbeitung wird bis Ende Februar 2014 beendet. Die Monografie wird voraussichtlich im Oktober 2014 erscheinen.


11.2 Der zentrale SED-Apparat und die „Arbeit nach Westdeutschland/bzw. nach der BRD“ 1961 bis 1989


Das Forschungsprojekt von Heike Amos befasst sich aus historischer Perspektive mit den Zielen, Aktivitäten, Ergebnissen und Wertungen der Deutschlandpolitik der SED-Führung unter Zuhilfenahme ihres zentralen Parteiapparates im Zeitraum zwischen Mauerbau und Mauerfall. Ziel ist es, die politischen Interaktions-, Meinungsbildungs- und Entscheidungsprozesse zur Deutschlandpolitik in den SED-Spitzengremien Politbüro und ZK-Sekretariat zu analysieren, sowie das institutionelle, strukturelle und personelle Netzwerk der für die so genannte Westarbeit zuständigen Gremien im Apparat des Zentralkomitees der SED auf der zentralen Ebene aufzudecken. In diese Untersuchung einbezogen werden staatlich-offizielle Institutionen der SED-Deutschlandpolitik, insbesondere die Abteilung „BRD/West-Berlin“ des DDR-Außenministeriums und das Staatssekretariat für westdeutsche Fragen (1965-1971). Das Projekt befasst sich mit einem Thema der Partei-, Politik- und Institutionengeschichte – sozusagen einer „Geschichte von oben“ – die aus dem Blickwinkel und aus dem Agieren und Reagieren der SED-Führung die „Arbeit nach Westdeutschland bzw. nach der BRD“ von 1961 bis 1989 erforschen und darstellen soll. Das Forschungsprojekt wurde im Januar 2013 zu Ende geführt. Am 1. August erhielt die DFG den Abschlussbericht zum Projekt. Das Gesamtmanuskript wurde sprachlich überarbeitet und kann im Februar 2014 dem Wissenschaftlichen Beirat des Instituts zur Begutachtung vorgelegt werden.


11.3 Politikspielräume und Interessenkonflikte im Bezirk und Kreis: Die Wohnungspolitik im Bezirk Halle von 1961 bis 1989

Kathy Hannemann analysiert in ihrer Promotionsschrift an der Universität Leipzig die Wohnungspolitik der SED-Bezirksleitung Halle als regionale Mittelinstanz im DDR-Staats- und Gesellschaftssystem. Anhand der Wohnungspolitik in einem ostdeutschen Industriegebiet wird das Wirken der SED auf regionaler, kommunaler und lokaler Ebene, auch in ihren Vernetzungen und internen Auseinandersetzungen, exemplarisch untersucht. Hauptsächlich liefert das Thema einen wesentlichen Erkenntnisgewinn über das Verhältnis von zentralen Entscheidungen der SED-Führung, ihrer Umsetzung auf Bezirksebene und den sich möglicherweise aus diesem Spannungsverhältnis ergebenden Spielräumen für regional interessengeleitetes Handeln. Ein Entwurf des Gesamtmanuskripts liegt vor, das Promotionsverfahren an der Universität Leipzig läuft.
11.4 SED und MfS. Das Verhältnis der SED-Bezirksleitung Karl-Marx-Stadt und der MfS-Bezirksverwaltung von 1961 bis 1989

Gunter Gerick untersucht in seiner Promotionsschrift an der Universität Chemnitz Handlungsmöglichkeiten der Regionaleliten im Apparat des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) gegenüber der SED-Bezirksleitung und die Gestaltungsmöglichkeiten bei der Ausübung des an sie gestellten Parteiauftrages. Im Mittelpunkt stehen das Spannungsverhältnis von SED und MfS auf lokaler Ebene und die dabei entstandenen Diskrepanzen und Wechselwirkungen, die es innerhalb der engen Verzahnung zwischen MfS und SED gab. Damit wird die Rolle des MfS als „Schild und Schwert“ der Partei problematisiert. Das Promotionsverfahren wurde erfolgreich mit "magna cum laude" abgeschlossen. Die Promotionsschrift wurde 2013 veröffentlicht.





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