Sowjetische Kriegskindheiten im besetzten Belarus und im Spätstalinismus (1941-1944-1953): Erfahrungen und Erinnerungen

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter (IfZ):  Dr. Yuliya von Saal
Projektinhalt:

Das geplante Projekt untersucht akteursbezogen „Kindheiten“ von sowjetischen Kindern im Kontext des deutsch-sowjetischen Krieges und seiner unmittelbaren Folgen im Spätstalinismus. Ein zentrales Anliegen besteht darin, die politischen und gesellschaftlichen Strukturen von „Kindheit“ unter deutscher Besatzung empirisch zu definieren, die kriegsspezifischen Erfahrungsräume der Kinder herauszuarbeiten und die Begrifflichkeit „Kriegskinder“ epistemologisch zu erweitern. Es wird nach Handlungsmöglichkeiten und Handlungsgrenzen von Minderjährigen in den jeweiligen Zeit- und sozialen Räumen, nach Folgen des Krieges für die Kriegskindergeneration sowie für das sowjetische Konzept der „Kindheit“ und somit auch nach der Historisierung der kindlichen Kriegserfahrungen in der offiziellen Erinnerungskultur Belorusslands gefragt.

Methodisch greift das Projekt das in der „neuen“ Soziologie der Kindheit etablierte dynamische Konzept des Kindes als sozialer Akteur (agency) und das Konzept der „generationalen Ordnung“ auf. Diesen interaktiven Ansätzen folgend, werden Kinder als soziale Akteure mit eigenen Fähigkeiten, Ressourcen und Bewältigungspotenzialen verstanden, die an ihrer Entwicklung, an ihrer „Kindheit“ und an der Herstellung der generationalen Ordnung selbst mitwirken.

Im Mittelpunkt der Untersuchung stehen vor allem die kriegsspezifische „soziale Mikrosysteme“ jenseits der intakten Familienstrukturen: die Erfahrungsräume des Gettos, der Kinderheime, der Partisaneneinheiten und der Lager („Kinderdörfer“).




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