Von Ministerialrätinnen, Regierungsamtmänninnen, Kanzleiangestellten und ,Reinemachefrauen’: Frauen in der bayerischen Ministerialverwaltung 1945 - 1975

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter (IfZ):   Elisabeth Perzl
Projektinhalt:

Frauen werden kaum berücksichtigt, wenn es um westdeutsche Behörden nach 1945 geht. Weitet man die übliche Perspektive und bezieht Beamtinnen in allen Laufbahngruppen sowie weibliche Angestellte und Arbeiterinnen ein, ergibt sich ein ganz anderes Bild. Wie sich der politische Systemwechsel auf diese Frauen auswirkte und wie sie den demokratischen Neubeginn in der bayerischen Verwaltung mitgestalteten, untersucht mein Dissertationsprojekt mithilfe geschlechter-, demokratie- und verwaltungshistorischer Perspektiven für den Zeitraum von 1945 bis in die späten 70er Jahre.

Hierzu betrachte ich erstens Berufsbiographien, Karriereverläufe, individuelle Prägungen sowie Einbindungen in etwaige Netzwerke, sowohl von Beamtinnen in höheren und niederen Laufbahngruppen, als auch von weiblichen Angestellten und Arbeiterinnen des gesamten bayerischen Ministerialbereiches. Zweitens untersuche ich Bedingungen und Grenzen der männlichen Verwaltung als Erfahrungs- und Ermöglichungsraum für geschlechtsspezifisches und weibliches Verwaltungshandeln. Die bayerische Ministerialbürokratie rückt damit als vergeschlechtlichter, hierarchisierter Handlungsraum mit alltäglichen Praktiken der geschlechtlichen Grenzziehung und Zuschreibungen in den Fokus. Von Interesse ist insbesondere, ob und inwiefern sich diese vor dem Hintergrund äußerer Einwirkung, neuer Anforderungen an Verwaltung und gesamtgesellschaftlichen Liberalisierungstendenzen veränderten.

Die Studie ist Teil des IfZ-Projekts „Demokratische Kultur und NS-Vergangenheit. Politik, Personal, Prägungen in Bayern 1945-1975“.