Zwischen Konfrontation und Kooperation: Die Treuhandanstalt, die Gewerkschaften und die Transformation Ostdeutschlands 1990-1994

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter (IfZ):  Dr. Christian Rau
Projektinhalt:

In der Öffentlichkeit wurden Treuhandanstalt und Gewerkschaften häufig als die Hauptkontrahenten im wirtschaftlichen Transformationsprozess Ostdeutschlands wahrgenommen. Anfänglich gestärkt durch einen rasanten Mitgliederzuwachs, schossen sich exponierte Gewerkschaftsfunktionäre nicht selten auf die „neoliberale Privatisierungsmaschine“ ein, die sie für den „Ausverkauf“, die Massenentlassungen und die verfehlte Integration der Ex-DDR verantwortlich machten. Die Rolle der Gewerkschaften im Privatisierungsprozess ostdeutscher Unternehmen ist nicht unumstritten, aber noch kaum erforscht. Das Projekt vermisst die Rolle der Gewerkschaften im wirtschaftlichen Transformationsprozess Ostdeutschlands. Dabei sollen drei parallel verlaufende Prozesse analysiert werden: die Radikalisierung gewerkschaftlicher Positionen im Zuge der „neoliberalen Wende“ unter Kohl (ab 1982), interne Debatten über die Zukunft der gewerkschaftlichen Arbeit und die konfliktreiche Integration der Ost-Gewerkschaften nach 1990. Hiervon ausgehend, wird nach den Dispositionen und Handlungsspielräumen der Gewerkschaften gegenüber der Treuhandanstalt gefragt. Das Forschungsdesign verbindet dabei Makro- und Mikroebene. So sollen übergreifende Diskurse und Konflikte mit konkreten Privatisierungspraktiken (zum Beispiel das Kaliwerk in Bischofferode) kontrastiert und inner- wie zwischengewerkschaftliche Konflikte sowie das Verhältnis zu den Betriebsräten beleuchtet werden.




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