Parlamentarismus als „europäisches Konzept“? Dynamiken parlamentarischer Transformation in Europa im letzten Drittel des 20. Jahrhunderts

 

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter (IfZ):  PD Dr. Silke Mende

Projektinhalt:  

Das Forschungsprojekt beschäftigt sich mit der Geschichte des europäischen Parlamentarismus im letzten Drittel des 20. Jahrhunderts. Im Anschluss an Pasi Ihalainen, Cornelia Ilie und Kari Palonen wird Parlamentarismus als „European concept“ gefasst. (Ihalainen/Ilie/Palonen 2016). Es ist demnach kein stabiles und überzeitliches Phänomen, sondern aus der Perspektive einer Ideen- und Begriffsgeschichte raum- und zeitabhängigen Wandlungsprozessen unterworfen und wird immer wieder neu verhandelt.

Im Zentrum stehen die beiden großen Transformationsphasen der jüngeren europäischen Zeitgeschichte, in deren Folge zunächst die von autoritären Regimen regierten Länder Südeuropas, sodann die sozialistischen Staaten Ostmittel- und Südosteuropas nicht nur zu parlamentarischen Demokratien, sondern einige Jahre darauf auch zu europäischen Mitgliedstaaten geworden sind. Das Modell der parlamentarischen Demokratie als Zielvorstellung sowie die Perspektive eines europäischen Beitritts gelten als wichtige, sich wechselseitig beeinflussende Faktoren in den jeweiligen Transformationsprozessen. Das Projekt möchte diesen Zusammenhang geschichtswissenschaftlich näher aufschlüsseln, indem es nach dem Zusammenwirken von Parlamentarisierung und Europäisierung fragt.

Mit der europäischen Süd- sowie der europäischen Osterweiterung geraten zwei Zeiträume in den Blick, die von der gegenwartsnahen Zeitgeschichte als zentrale Umbruchsphasen verhandelt werden. Während die 1970er Jahre vor allem aus einer sozial-, wirtschafts- und mentalitätsgeschichtlichen Perspektive als Periode des Wandels behandelt werden, spielt 1989/91 hauptsächlich als politische Zäsur im internationalen System der Nationalstaaten eine Rolle. Das Projekt zielt auch darauf, diese häufig noch getrennt voneinander diskutierten Umbruchsphasen empirisch konsequenter aufeinander zu beziehen und damit zu einer stärkeren Konturierung der Geschichte Europas nach 1970 beizutragen.

 

 



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