European Holocaust Research Infrastructure (EHRI)

Welches Ziel verfolgt EHRI?

Im Mittelpunkt des European Holocaust Research Infrastructure (EHRI)-Projekts steht die Verknüpfung und Förderung der transnationalen Holocaust-Forschung, -Erinnerung und -Vermittlung. Die größte Herausforderung in diesem Zusammenhang ist die Fragmentierung von Quellen und Fachwissen über Institutionen, Länder und Kontinente hinweg. EHRI überwindet diese Zersplitterung, indem es Quellen, Institutionen und Menschen miteinander verbindet.

Welche Angebote bietet EHRI?

EHRI umfasst die folgenden zentralen Recherche-, Arbeits- und Trainingsangebote:

  • Das EHRI Portal bietet Zugang zu Informationen über Archivmaterial zum Holocaust in Institutionen in und außerhalb von Europa.
  • Das EHRI Conny Kristel Fellowship Programme erlaubt Forschungsaufenthalte von 1-6 Wochen an einem oder mehreren EHRI-Partnerinstitutionen. Informationen zu aktuellen Ausschreibungen und den Bewerbungsmodalitäten finden sich auf der Programm-Seite selbst oder unter den Ausschreibungen der Fellowships auf unserer Seite.
  • Die EHRI Onlinekurse stellen Quellenmaterial und Hintergrundinformationen zur Verfügung und geben in fünf thematischen Einheiten einen Überblick über aktuelle Trends in der Holocaust-Geschichtsschreibung.
  • Der EHRI Document Blog bietet die Möglichkeit, Arbeitsthesen, (vorläufige) Forschungsergebnisse und interessante Quellenfunde mit Hilfe digitaler Werkzeuge zu analysieren und einem größeren Publikum zu präsentieren.
  • Die EHRI Online Editionen sind frei zugänglich und dank Metadaten-Tagging und Georeferenzierung nicht an feststehende thematische oder chronologische Muster gebunden, sondern jederzeit nach verschiedenen thematischen Interessen durchsuchbar. Sie werden durch interaktive Karten kontextualisiert. (Derzeit verfügbare Editionen: https://begrenzte-flucht.ehri-project.eu/ und https://early-testimony.ehri-project.eu/).
  • Die EHRI Seminare wenden sich insbesondere an Promovierende und frühe Postdocs. Die meist einwöchigen Veranstaltungen bieten einen Überblick über methodologische Entwicklungen im Feld der Holocaust-Studien, Austausch mit Expertinnen und Experten, Möglichkeiten das eigene Projekt zu präsentieren, und einen Einblick in die Erinnerungskultur der jeweiligen Region, in der das Seminar stattfindet.

Die Arbeitssprache des Projekts wie für die Mehrzahl der spezifischen Angebote ist Englisch.

Wer gehört zum EHRI-Konsortium und wie wird die Forschungsinfrastruktur gefördert?

Das EHRI-Konsortium besteht aus derzeit 25 Institutionen, die zu den führenden Einrichtungen bei der Erforschung des Holocausts gehören (z.B. Yad Vashem (Israel), United States Holocaust Memorial Museum – USHMM (USA), NIOD, Institute for War, Holocaust and Genocide Studies (Niederlande), Jewish Historical Institute (Polen), National Institute for the Study of the Holocaust in Romania „Elie Wiesel” (Rumanien), Bundesarchiv (Deutschland), Arolsen Archives (Deutschland)) bzw. über beachtliche Expertise im Bereich des Datenmanagements oder der Digital Humanties verfügen (z.B. King’s College (UK), Data Archiving and Networked Services – DANS (Niederlande). Eine vollständige Übersicht der Partnerinstitutionen findet sich hier.

Das Institut für Zeitgeschichte, das seit dessen Gründung 2013 maßgeblich durch das Zentrum für Holocaust-Studien repräsentiert wird, ist seit Beginn des Projekts ein wichtiger Partner in EHRI. Durch das Mitwirken im Project Management Board und die zentrale Koordination zahlreicher Arbeitspakete ist das Zentrum an vielen Aktivitäten und allen wichtigen Entscheidungen von EHRI beteiligt.

EHRI ist bereits zweimal erfolgreich durch die Förderprogramme der EU finanziert worden (Phase 1: 2010-2015 durch 7th Framework Programme (7FP), Phase 2: 2015-2019 gefördert durch Horizon 2020). Mittlerweile befindet sich EHRI in der dritten Förderphase (EHRI-3), erneut finanziert durch Horizon2020 (2020-2024).

Welche Zukunftspläne existieren für EHRI?

Die Aufgabe von EHRI-3 ist es, zentrale Aktivitäten und Initiativen des Projekts weiterhin anzubieten und auszubauen. Die Arbeitsschwerpunkte liegen auf der Erweiterung der Reichweite des EHRI-Portals insbesondere in Hinblick auf die Bestände von Mikroarchiven, der Entwicklung neuer digitaler Werkzeuge, um verstreute Holocaust-Quellen und relevante Bestände miteinander zu verbinden, der Bereitstellung von hochmodernen Trainings- und Ausbildungsmöglichkeiten für Forscherinnen und Forscher sowie Archivarinnen und Archivaren sowie der Fortführung und dem Ausbau des EHRI-Conny-Kristel-Fellowships.

Neben EHRI-3, das für die Fortsetzung und den Ausbau der Projektaktivitäten verantwortlich ist, widmet sich die Arbeit der EHRI Preparatory Phase (EHRI-PP) der Herausforderung, EHRI langfristig und nachhaltig in der Forschungs(-Infrastruktur)-Landschaft zu verankern. EHRI wurde 2018 in die Roadmap des Europäischen Strategieforums für Forschungsinfrastrukturen (ESFRI) aufgenommen und erhielt in diesem Zusammenhang eine weitere Horizon2020 Förderung (2019-2022), um die notwendigen rechtlichen, finanziellen und strategischen Schritte einzuleiten, um ab ca. 2025 als eigenständige, permanente Organisation (s.g. European Research Infrastructure Consortium (ERIC)) voll funktionsfähig zu sein.

Sie haben Fragen zu EHRI? Bitte wenden Sie sich an Johannes Meerwald, der das Projekt seitens des Zentrums betreut.



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