Das Ringen um das Selbst. Schizophrenie in Wissenschaft, Gesellschaft und Kultur in West- und Ostdeutschland 1950–1980

Abgeschlossenes Projekt

 


Projektinhalt:  

In ihrem Dissertationsprojekt untersuchte Sandra Schmitt die psychiatrische Wissenskultur und das Wissen über Schizophrenie in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Im Zentrum steht die Frage nach unterschiedlichen Denkstilen und Erzählweisen von Schizophrenie. Während die medizinisch-naturwissenschaftliche Psychiatrie Schizophrenie als körperlich begründete Krankheit zu erforschen suchte, setzten psychoanalytische und philosophisch-anthropologische Denkstile andere Akzente. Sie versuchten, Schizophrenie als innere Konflikt- und Problemgeschichte zu deuten. Diese Deutung von Schizophrenie wurde zwar innerhalb der Psychiatrie nicht leitend, prägte dafür aber den außerpsychiatrischen Diskurs von Schizophrenie entscheidend mit. Insbesondere in literarischen und autobiografischen Erzählungen lässt sich die Wirkung dieser Vorstellungen dort beobachten, wo Schizophrenie als Selbstwerdungsgeschichte erzählt wird. Der Fokus der Arbeit ist auf Westdeutschland gerichtet; punktuell werden auch ostdeutsche Entwicklungen aufgegriffen.

Die Arbeit versteht sich als Beitrag zu wissensgeschichtlichen Fragestellungen nach der Konstruktion, Weitergabe, Festigung und Zirkulation von Wissen, aber auch zu kulturgeschichtlichen Ansätzen, die die Bedeutung der „Psy-Disziplinen“ für lebensgeschichtliche Narrative und Erzählungen des Selbst erforschen. Die Dissertation wurde durch ein Promotionsstipendium der Studienstiftung des deutschen Volkes gefördert.

 

 



Zurück zur vorherigen Seite