Frieden durch Kommunikation. Die Entspannungspolitik Hans-Dietrich Genschers im "Zweiten Kalten Krieg" (1979-1982/83)

Abgeschlossenes Projekt

 


Projektinhalt:  

Das Dissertationsprojekt von Agnes Bresselau von Bressensdorf, das im Oktober 2013 abgeschlossen wurde, legt – anders als bisherige Forschungsprojekte zur bundesdeutschen Außenpolitik – den Schwerpunkt nicht auf die Rolle des Bundeskanzlers, sondern auf Außenminister Genscher als Akteur internationaler Politik. Die Arbeit postuliert zunächst ein „System Genscher“ als Grundlage für die Generierung und Perpetuierung politischer Macht. Kam dem Auswärtigen Amt hierbei eine zentrale Rolle als fachliches Kompetenzzentrum und Schaltzentrale zu, bildete die FDP für Genscher lediglich eine funktionelle Machtbasis. Ein wesentliches Alleinstellungsmerkmal dieses „Systems“ bildete die mediale Personalisierung und Inszenierung von Außenpolitik, gekoppelt an eine kurzfristig wirksame „media diplomacy“.

Ausgehend davon analysiert das Projekt Genschers Konzept einer „realistischen“ Entspannungspolitik, die als Kommunikations- und Deeskalationsprozess interpretiert wird und empirisch anhand zentraler Konfliktherde des „Zweiten Kalten Krieges“ untersucht wird: erstens der Einmarsch sowjetischer Truppen in Afghanistan 1979, mit dem die globale Dimension des ideologisch-militärischen Konflikts zwischen Ost und West auf die internationale Tagesordnung kam. Zweitens die polnische Krise Anfang der 1980er Jahre, als die Ost-West-Konfrontation ins Herz Europas zurückkehrte und sich die grundsätzliche Frage nach der Reformierbarkeit sozialistischer Systeme stellte.

Auf breiter Quellenbasis konnte so nicht nur das entspannungspolitische Krisenmanagement Genschers herausgearbeitet werden, sondern auch seine Strategien parlamentarischer Konsensfindung und medialer Inszenierung als integraler Bestandteil von Außenpolitik. Das Dissertationsprojekt will damit auch über die klassische Diplomatiegeschichte hinaus Anregungen für neue Konzeptionen einer modernen Geschichtsschreibung der internationalen Beziehungen geben.

 

 

Publikationen im Rahmen des Projekts:
Frieden durch Kommunikation.




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