Sozialdemokratische Umwelt- und Energiepolitik 1975 – 1998

 

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter (IfZ):  Felix Lieb M.A.

Projektinhalt:  

Beginnend mit den breiten zivilgesellschaftlichen Protesten gegen die Nutzung der Kernenergie entwickelte sich Mitte der 1970er-Jahre in der SPD eine Diskussion um die Umweltverträglichkeit wirtschaftlichen Wachstums, die Gefahren der Kernenergie und den richtigen Umgang mit dem Aufstieg von Bürgerinitiativen und Grünen, der mit der Entwicklung der Umweltpolitik als eigenständigem Politikfeld verbunden war. Diese „Ökologisierung“ der SPD bewegte sich im Spannungsfeld zwischen dem traditionellen sozialdemokratischen Grundwert der „Arbeit“ und dem neuen der „Umwelt“. Die Kernfrage sozialdemokratischer Umweltschutzkonzepte war stets, wie sich die Erhaltung der natürlichen Lebensgrundlagen mit einer arbeitnehmerfreundlichen Wirtschaftspolitik verbinden lasse. Zweck dieser Umweltschutzkonzeption war auch, sich von den Grünen abzugrenzen, die seit Ende der 1970er-Jahre für die SPD eine immer größere parlamentarische Konkurrenz darstellten. Lange Zeit war jedoch unklar, inwieweit Wähler und Mitglieder der Grünen in die Partei integriert oder gar Koalitionen mit der neuen grünen Partei eingegangen werden sollten.

 

Das Dissertationsprojekt soll folgende Leitfragen beantworten: Wodurch wurde eine genuin sozialdemokratische Umwelt- und Energiepolitik charakterisiert? Wie wurde versucht, „Umwelt“ in den traditionellen Grundwertekanon der Sozialdemokratie zu integrieren? In welchem Zusammenhang stand die umweltpolitische Positionierung der Partei mit dem sich wandelnden Kurs der SPD in der Wirtschafts- und Beschäftigungspolitik? Und welche Rolle spielten „weiche“ Faktoren wie politischer Habitus und alternative Vorstellungen von Politik und (Basis-)Demokratie im Verhältnis zu den Grünen und ihrer Wählerklientel?

 

Für den neuen Kurs in der Umwelt- und Energiepolitik war das Zusammenspiel von Bundespartei und Landesverbänden von zentraler Bedeutung, da viele Impulse in inhaltlicher wie machtpolitischer Art „von unten“ in die Partei getragen wurden. Dies stellt, ebenso wie das Spannungsverhältnis zwischen den Normen „Arbeit“ und „Umwelt“, einen roten Faden für den Zugriff auf das Thema dar. In einer Erweiterung der Politikgeschichte um kultur- und sozialgeschichtliche Perspektiven wird die deutsche Sozialdemokratie zudem auf Symptome des „Wandels des Politischen“ in der Epoche „nach dem Boom“ untersucht.

 

Die Dissertation ist an das Verbundprojekt „Geschichte der Nachhaltigkeit(en) Diskurse und Praktiken seit den 1970er Jahren“ der Leibniz-Gemeinschaft assoziiert.

 

 



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