Die „Gründungsgeneration“ der Bank deutscher Länder um Wilhelm Vocke zwischen Weimarer Zeit und früher Bundesrepublik

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter (IfZ):  PD Dr. Boris Gehlen
Projektinhalt:

Das Projekt untersucht die Funktionselite der „Zentralbankbeamten“ im Kontext der vielschichtigen Währungspolitik von der Inflation 1923 bis zur Gründung der Bundesbank 1957. Als biographischer Fluchtpunkt dient Wilhelm Vocke, der wie kaum ein anderer Kontinuitäten und Brüche der deutschen Zentralbankgeschichte von der Weimarer Zeit bis in die frühe Bundesrepublik verkörpert: Er war von 1919 bis 1939 Mitglied im Direktorium der Reichsbank, nach dem Zweiten Weltkrieg in der Leitung der Reichsbankleitstelle Hamburg, seit 1948 Präsident im Direktorium der Bank deutscher Länder (BdL) und schließlich erster Präsident der Bundesbank. Nur von 1939 bis 1946 nahm er keine aktive Funktion in der Zentralbank wahr, nachdem er wie viele andere Mitglieder des Direktoriums 1939 wegen der Kritik an der Rüstungspolitik und den daraus resultierenden Gefahren für die Währungsstabilität aus seiner Stellung entlassen worden war.
Ausgehend von Vocke betrachtet das Projekt dessen Mitstreiter, Wegbegleiter und Gegenspieler (u.a. Karl Bernard, Friedrich Wilhelm Dreyse, Ernst Hülse, Kurt Lange, Otto Pfleiderer, Emil Puhl, Hjalmar Schacht, Friedrich Wilhelm von Schelling, Friedrich Wilhelm, Eduard Wolf). Es fragt nach Karrieremustern und -brüchen, (währungspolitischen) Prägungen, nach der Organisations- und Leitungskultur der Reichsbank und der BdL. Es verbindet methodisch gruppen- und individualbiographische Zugriffe und analysiert daher auch die Selbstbeschreibungen der Akteure, (konfligierende) Narrative sowie die Geschichtspolitik der BdL.