Zum Tod von Hermann Graml

(c) Alexander Markus Klotz

Die Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte trauern um ihren ehemaligen Chefredakteur

Am 17. November 2018 feierte Hermann Graml seinen 90. Geburtstag zusammen mit zahl­reichen Kolleginnen und Kollegen, seiner Familie und Freunden im Institut für Zeitgeschichte in München. Es war ein gelungenes Fest für einen Jubilar, der zwar nicht mehr ganz so sicher auf den Beinen war wie früher, aber dafür intellektuell wach und geradezu jungenhaft fröhlich wie eh und je. Nun ist Hermann Graml am 4. Februar überraschend verstorben – an den Fol­gen einer Operation, die nach einem Sturz unumgänglich war. Die Vierteljahrshefte für Zeit­ge­schichte müssen damit künftig nicht nur auf ihren langjährigen Chefredakteur (1977 bis 1993), son­dern auch auf einen Weggefährten verzichten, der die Zeitschrift seit den 1950er Jah­ren begleitet hat, als Zeit­­geschichte noch ein „Wagnis“ (Hans Maier) war. Hermann Graml hat Standards gesetzt – im Umgang mit Autorinnen und Autoren, für die er immer ein offenes Ohr hatte, durch sein un­trügliches Gespür für Themen, seinen sicheren Blick für das innovative Potenzial von Bei­trägen, das nicht immer leicht zu erkennen war, und durch seine Art, sich fremde Texte zu ei­gen zu machen, die Spreu vom Weizen zu trennen und dem Pub­­likum seiner Zeitschrift so nicht nur wissenschaftlich anspruchsvolle, sondern auch sprach­­lich ele­gante Lektüre zu bieten. Hermann Gramls Begeisterung für Literatur und seine Be­wun­de­rung für Thomas Mann waren immer wieder spürbar, wenn er seinem Ta­ges­ge­schäft als Re­dak­teur und Wissenschaftler nachging. Die Vierteljahrshefte verlieren mit Her­mann Graml mehr als einen verdienten Kollegen. Sie verlieren einen väterlichen Freund und Men­tor, des­sen Erbe der Zeitschrift Verpflichtung ist. 

 

Eine anlässlich seines 90. Geburtstags erschienene Würdigung Hermann Gramls und eine Zusammenstellung von VfZ-Beiträgen aus seiner Feder und über ihn finden sich hier.



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