Heft 4/2013

 

Aufsätze:

  • Wilfried Loth: Helmut Kohl und die Währungsunion. (A)
  • Lothar Machtan: Autobiografie als geschichtspolitische Waffe. (A) 
  • Georg J. Dufner: Chile als Partner, Exempel und Prüfstein. (A)

Diskussion

  • Hans Woller / Jürgen Zarusky: Der „"Fall Theodor Eschenburg“" und das Institut für Zeitgeschichte. (Dis)

Notiz

  • Albert A. Feiber: Nützliche Nähe zu Hitler. (N)

 


Abstracts

Wilfried Loth: Helmut Kohl und die Währungsunion

Die Schaffung der europäischen Währungsunion war einer der wichtigsten Erfolge von Helmut Kohls Kanzlerschaft. Der Artikel zeigt, wie der Bundeskanzler den Verhandlungsprozess der Währungsunion zwischen französischem Druck und deutscher Zurückhaltung managte. Die Franzosen hatten verschiedene Gründe, auf eine solche Union zu drängen: erstens sahen sie darin ein notwendiges Element einer europäischen Wachstumspolitik; zweitens suchten sie Unabhängigkeit von den erratischen Kursschwankungen des Dollars und der amerikanischen Zinspolitik zu erreichen; drittens wollten sie die hegemoniale Stellung der deutschen Bundesbank brechen. Der deutsche Widerstand ergab sich aus der langfristigen Angst vor einer „Inflationsunion“ und aus dem institutionellen Eigeninteresse der Bundesbank, deren Direktoren keinen Grund sahen, ihre bequeme Position aufzugeben. Als sich das Ende der DDR abzeichnete, interpretierte Mitterand diese Zurückhaltung als das Ende des deutschen Engagements im europäischen Projekt. Es war genau dieses Missverständnis, welches Kohl dazu veranlasste, nachzugeben und feste Termine für die Realisierung der Währungsunion zu akzeptieren, ohne dass alle Bedingungen, die die Bundesbank gefordert hatte, bereits erfüllt waren. Auf diese Weise rettete er den europäischen Einigungsprozess vor Gefährdungen durch die deutsche Einheit und ließ ihn fortschreiten.

 

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Lothar Machtan: Autobiografie als geschichtspolitische Waffe. Die Memoiren des letzten kaiserlichen Kanzlers Max von Baden

Die kurze Kanzlerschaft Max von Badens im Herbst 1918 sollte sich nicht allein dadurch als geschichtsmächtig erweisen, dass sie das deutsche Kaiserreich abwickelte und zur Beendigung des Ersten Weltkriegs führte. Der letzte Kanzler des Kaisers geriet auch ohne Amt auf das Schlachtfeld des ideologischen Bürgerkriegs, der die Weimarer Republik nicht zuletzt auf dem Felde der Geschichtspolitik erschütterte. Mit seinen 1927 publizierten Memoiren versuchte er, in den Erinnerungskampf selbst steuernd einzugreifen und eine dritte Lesart seiner umstrittenen Regierungspolitik der letzten Tage des Kaiserreichs in die Öffentlichkeit zu lancieren. Sie können als prototypisch für den konjekturalen Charakter von Politiker-Memoiren angesprochen werden, analytisch sind sie als Versuche der Rezeptionssteuerung von Politik zu deuten. Durch die 1968 von Golo Mann im Auftrag von Max‘ spin doctor und Ghostwriter Kurt Hahn besorgte Neuedition geschah dies sogar über die Epochenzäsuren hinweg ein zweites Mal in der Bonner Republik. Die Geschichte dieser Neuedition zeigt jedoch auch die Grenzen einer derartigen Selbstmythografie – und, dass sie durch kritische Geschichtswissenschaft gezogen werden können.

 

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Georg J. Dufner: Chile als Partner, Exempel und Prüfstein. Deutsch-deutsche Außenpolitik und Systemkonkurrenz in Lateinamerika

Der Putsch in Chile am 11. September 1973 steht bis heute sinnbildlich für das Grauen südamerikanischer Militärdiktaturen. Die starke mediale Präsenz von Verfolgung, Exil und Menschenrechtsverbrechen zwang beide deutschen Staaten zur öffentlichen Positionsnahme, sowohl gegenüber der internationalen Öffentlichkeit als auch gegenüber der eigenen Bevölkerung. Der unterschiedliche Umgang mit dem brisanten Prüfstein der Pinochet-Diktatur verdeckt jedoch häufig die langen und intensiven Nachkriegsbeziehungen, die Bundesrepublik und DDR zu dem südamerikanischen Staat bereits während der 1960er Jahre pflegten. Der Andenstaat als Entwicklungshoffnung und politischer Partner spielte für Bonn wie Ost-Berlin eine auf dem Subkontinent herausragende Rolle und wurde daher zum umkämpften Schauplatz des deutsch-deutschen Systemkonflikts. Die hochgradig dynamische politische Zeitgeschichte Chiles und seine internationale Emanzipation erforderte dabei die ständige Anpassung der Ziele und Mittel in Außen-, Wirtschafts- und Entwicklungspolitik, was uns tiefe Einblicke in die zeitgenössische gegenseitige Wahrnehmung ermöglicht. In diesem Artikel wird versucht zu beleuchten, welche Bedeutung diese Beziehungen für die drei beteiligten Staaten einnahmen, welches ihre Folgen waren und wie diese zu bewerten sind.

 

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Hans Woller / Jürgen Zarusky: Der „Fall Theodor Eschenburg“ und das Institut für Zeitgeschichte. Offene Fragen und neue Perspektiven

Die Verteidigung Theodor Eschenburgs gegen seine Kritiker, die Udo Wengst im Juli-Heft der VfZ veröffentlicht hat, überzeugt Hans Woller und Jürgen Zarusky nicht. Allzu oft blendet sie Fragwürdiges einfach aus. Die Befunde über Eschenburgs Liebäugeln mit der radikalen Rechten in der Weimarer Republik, seine Rolle im „Arisierungs“-Fall Fischbein, seine zum Teil reichlich apologetischen „Rückblicke auf das Dritte Reich“ und seinen leichtfertigen Umgang mit dem Diktaturbegriff sind zu gewichtig, als dass man es bei der „wohlwollenden Petrifizierung“ des alten Eschenburg-Bildes belassen könnte. Für die Vierteljahrshefte, deren langjähriger Gründungsherausgeber Eschenburg zusammen mit Hans Rothfels gewesen war, geht es dabei ebenso wie für das Institut für Zeitgeschichte insgesamt auch um bedeutsame Fragen der eigenen Geschichte. Für eine aktive und kritische Auseinandersetzung mit dieser ist es höchste Zeit – so das Plädoyer der Autoren.

 

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Albert A. Feiber: Nützliche Nähe zu Hitler. Das Ehepaar Max und Maria Wutz im Netzwerk „Alter Kämpfer“ – Ein Gutachten des Instituts für Zeitgeschichte

Geld stinkt doch, zumal wenn es von Nationalsozialisten stammt. Diese Erfahrung machte auch die CSU-nahe Hanns-Seidel-Stiftung, die 1983 geerbt hatte und 2012 im „Spiegel“ lesen musste, dass die Erblasser „Alte Kämpfer“ gewesen waren. Was tun? Die Stiftung beauftragte das Institut für Zeitgeschichte, den Dingen auf den Grund zu gehen, was Albert A. Feiber mit größter Umsicht und Akribie auch tat. Das Ergebnis liegt nun vor - es ist so eindeutig, dass die Hanns-Seidel-Stiftung ungesäumt die Konsequenzen zog.

 

 

Das dem Beitrag zugundeliegende Gutachten finden Sie in den Beilagen: www.ifz-muenchen.de/vierteljahrshefte/zusatzangebote/beilagen/

 

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