Heft 4/2013

 

Aufsätze:

  • Wilfried Loth: Helmut Kohl und die Währungsunion. (A)
  • Lothar Machtan: Autobiografie als geschichtspolitische Waffe. (A) 
  • Georg J. Dufner: Chile als Partner, Exempel und Prüfstein. (A)

Diskussion

  • Hans Woller / Jürgen Zarusky: Der „"Fall Theodor Eschenburg“" und das Institut für Zeitgeschichte. (Dis)

Notiz

  • Albert A. Feiber: Nützliche Nähe zu Hitler. (N)

 

 


Abstracts

Wilfried Loth: Helmut Kohl und die Währungsunion

Seitdem die Finanzkrise voll auf den Euro-Raum durchgeschlagen ist, vergeht fast kein Tag, an dem nicht über die Zukunft der europäischen Währung spekuliert wird. Dabei geraten zumeist die Anfänge des Euro aus dem Blick, die bis in die 1980er Jahre zurückreichen. Die langwierige Debatte über die Vertiefung der europäischen Integration überschnitt sich 1989/90 mit dem Prozess der Vereinigung der deutschen Staaten, und es war diese Koinzidenz, die wiederholt zu Spekulationen Anlass gab, der Verzicht auf die D-Mark und die Zustimmung der Bundesregierung zur Einführung des Euro sei der Preis für die deutsche Einheit gewesen. Wilfried Loth stellt diese Spekulationen auf den Prüfstand und leistet so einen wichtigen Beitrag zur Vorgeschichte der Gegenwart.

 

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Lothar Machtan: Autobiografie als geschichtspolitische Waffe. Die Memoiren des letzten kaiserlichen Kanzlers Max von Baden

Bücher haben ihre Geschichte. Wie spannend und lehrreich sie sein kann, zeigt der Historiker Lothar Machtan in einem äußerst lesenswerten Aufsatz über das Memoirenwerk des letzten kaiserlichen Kanzlers. Max von Baden und sein engster Berater Kurt Hahn scheiterten zweimal mit ihrem Versuch, das Image des Prinzen als Totengräber der Monarchie durch aufwändige Selbstmythografie zu korrigieren - zum ersten Mal in der Weimarer Republik, als die Erinnerungen gewogen und als zu leicht befunden wurden, und zum zweiten Mal Ende der 1960er Jahre, obwohl kein geringerer als Golo Mann die Neuauflage besorgte. Als seriöse Geschichtsschreibung getarnte Geschichtspolitik hatte nun erst recht keine Chance mehr. Das Vetorecht der Quellen wog ebenso schwer wie das kritische Urteil der Historiker, die ihrem Ruf als unbestechliche Instanz alle Ehre machten.

 

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Georg J. Dufner: Chile als Partner, Exempel und Prüfstein. Deutsch-deutsche Außenpolitik und Systemkonkurrenz in Lateinamerika

Mit dem Staatsstreich gegen die Regierung Allende vom 11. September 1973 wurde Chile zu einem bedeutsamen öffentlichen Streitpunkt in der bundesrepublikanischen politischen Debatte und im Konflikt- und Konkurrenzverhältnis mit der DDR. Die Kontroversen um den blutigen Pinochet-Putsch prägen die Wahrnehmung Chiles bis heute. In Vergessenheit ist dabei geraten, wie wichtig das Land schon längst zuvor für die deutsch-lateinamerikanischen und zunehmend auch die innerdeutschen Beziehungen war. Georg Dufners Aufsatz eröffnet diese zeithistorische Perspektive.

 

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Hans Woller / Jürgen Zarusky: Der „Fall Theodor Eschenburg“ und das Institut für Zeitgeschichte. Offene Fragen und neue Perspektiven

Theodor Eschenburg ist nicht der erste IfZ-Repräsentant, der wegen seiner Vergangenheit in die Kritik geriet; vor ihm standen bereits Martin Broszat und Hans Rothfels im Zentrum leidenschaftlicher Debatten. Das Institut für Zeitgeschichte bemüht sich seit langem um einen offenen Umgang mit solchen „Fällen“. Hans Woller und Jürgen Zarusky, die beiden hauptverantwortlichen Redakteure der Vierteljahrshefte, nehmen deshalb den jüngst publizierten Beitrag von Udo Wengst über Eschenburg genau unter die Lupe. Ihr Appell für eine kritische Revision der alten Eschenburg-Bilder ist zugleich ein Plädoyer für ein umfassendes Forschungsprojekt zur Geschichte des Instituts für Zeitgeschichte.

 

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Albert A. Feiber: Nützliche Nähe zu Hitler. Das Ehepaar Max und Maria Wutz im Netzwerk „Alter Kämpfer“ – Ein Gutachten des Instituts für Zeitgeschichte

Geld stinkt doch, zumal wenn es von Nationalsozialisten stammt. Diese Erfahrung machte auch die CSU-nahe Hanns-Seidel-Stiftung, die 1983 geerbt hatte und 2012 im „Spiegel“ lesen musste, dass die Erblasser „Alte Kämpfer“ gewesen waren. Was tun? Die Stiftung beauftragte das Institut für Zeitgeschichte, den Dingen auf den Grund zu gehen, was Albert A. Feiber mit größter Umsicht und Akribie auch tat. Das Ergebnis liegt nun vor - es ist so eindeutig, dass die Hanns-Seidel-Stiftung ungesäumt die Konsequenzen zog.



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