Aktuelles Heft 4/2026

  • Inga Steinhauser, Vertane Chancen? Die Gutachten aus dem Institut für Zeitgeschichte zu den Düsseldorfer Treblinka-Prozessen und die Erforschung der „Aktion Reinhardt“ (Aufsatz) - Ins Heft gezoomt
  • Felix Berge, Das Gerücht und die Muster der Macht. Informelle Kommunikation und Herrschaftspraktiken in der nationalsozialistischen Kriegsgesellschaft (Aufsatz)
  • Florent Brayard, Vergangenheitspolitik als konzertierte Aktion. Der Lösener-Bericht, die Manipulation der Erinnerung und die Causa Globke (Aufsatz) - free access bis zum Erscheinen des nächsten Hefts
  • Daniel Stahl, Menschenrechtspolitik im Umbruch. Argentinischer Menschenrechtsaktivismus und die Auseinandersetzung um die Außenpolitik des vereinten Deutschland (Aufsatz) 

     

 

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Abstracts

Inga Steinhauser, Vertane Chancen? Die Gutachten aus dem Institut für Zeitgeschichte zu den Düsseldorfer Treblinka-Prozessen und die Erforschung der „Aktion Reinhardt“

 

In den großen NS-Prozessen der 1950er und 1960er Jahre zog die Justiz vielfach Historiker als Sachverständige hinzu. Gerade das Institut für Zeitgeschichte (IfZ) trug mit seinen Gutachten wesentlich zur Erforschung der nationalsozialistischen Verbrechen bei. Ausgerechnet für den Komplex der „Aktion Reinhardt“ gingen von den Gutachten jedoch keine nachhaltigen Forschungsimpulse aus, obwohl gerade hier ein besonderer Bedarf an Grundlagenforschung bestand. Anhand der Gutachten aus dem IfZ zu den Düsseldorfer Treblinka-Prozessen untersucht Inga Steinhauser die Ursachen dieses auffälligen Desiderats. Dabei wird deutlich, wie justizielle Anforderungen und zeitgenössische Forschungsinteressen die Möglichkeiten und Grenzen dieser speziellen Form historischer Wissensproduktion bestimmten.

 


Felix Berge, Das Gerücht und die Muster der Macht. Informelle Kommunikation und Herrschaftspraktiken in der nationalsozialistischen Kriegsgesellschaft

 

Gerüchte waren eine Herausforderung für das nationalsozialistische Herrschaftssystem. Sie stellten das postulierte Informationsmonopol infrage und kursierten jenseits der Regimeöffentlichkeit. Deshalb verfolgte das Regime Gerüchtemacherei und bekämpfte vermeintlich oder tatsächlich falsche Informationen. Zugleich nutzten die Propagandisten der Diktatur selbst „Mundpropaganda“ und mobilisierten informelle Kommunikation durch eigene Impulse. Erkannten sie Gerüchte als nützlich und mit Ideologie, Politik und Propaganda kompatibel, ließen sie solche Informationen laufen. Im Krieg kam es zu Adaptionsversuchen und Lernprozessen. Felix Berge untersucht diese Muster der Macht und entwickelt eine Typologie nationalsozialistischer Herrschaftspraktiken im Umgang mit informeller Kommunikation.

 


Florent Brayard, Vergangenheitspolitik als konzertierte Aktion. Der Lösener-Bericht, die Manipulation der Erinnerung und die Causa Globke

 

Der 1961 in den Vierteljahrsheften für Zeitgeschichte als Dokumentation veröffentlichte Bericht Bernhard Löseners über die nationalsozialistische Judenpolitik hatte ursprünglich einen juristischen Zweck: Es handelte sich um eine Rechtfertigungsschrift, die der ehemalige Ministerialrat und „Rassereferent“ im Reichsministerium des Innern im Rahmen seiner Entnazifizierung verfasst hatte. Der Bericht durchlief bis zu einer Publikation eine Metamorphose in mehreren Stufen, bevor Walter Strauß, Staatssekretär im Bundesjustizministerium, selbst Hand anlegte, als er den Bericht Löseners nach dessen Tod zur Veröffentlichung brachte. Florent Brayards Analyse der verschiedenen Fassungen des Berichts macht das Ziel dieser Form von Vergangenheitspolitik als eine Art konzertierter Aktion sichtbar. Es ging darum, ehemaligen Spitzenbeamten des Reichsinnenministeriums die Eingliederung in die Gesellschaft der jungen Bundesrepublik oder gar die Fortsetzung ihrer Karriere zu erleichtern – allen voran Wilhelm Stuckart und Hans Globke.

 

 


Daniel Stahl, Menschenrechtspolitik im Umbruch. Argentinischer Menschenrechtsaktivismus und die Auseinandersetzung um die Außenpolitik des vereinten Deutschland

 

Wie die Außenpolitik der Bundesrepublik nach der Vereinigung der beiden deutschen Staaten und dem Ende des Kalten Kriegs gestaltet werden sollte, war in den 1990er Jahren eine Frage, die auch jenseits von Amtsstuben und Regierungskreisen verhandelt wurde. Daniel Stahl zeigt für das Feld der Menschenrechtspolitik auf, über welche Handlungsspielräume lateinamerikanische Akteure in diesen Aushandlungsprozessen verfügten und welche Wirkung die Auseinandersetzung mit Prozessen des Übergangs von der Diktatur zur Demokratie außerhalb Europas in Deutschland entfaltete. Im Zentrum des Beitrags stehen die Familienangehörigen argentinisch-deutscher Opfer der Militärjunta und Forderungen, Menschenrechten ein stärkeres Gewicht in der deutschen Außenpolitik einzuräumen sowie das deutsche Strafrecht zu einem Instrument des internationalen Menschenrechtsschutzes weiterzuentwickeln.

 


 

 



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