Aktuelles Heft 2/2021

  • Kiran Klaus Patel: Kooperation und Konkurrenz. Die Entstehung der europäischen Wissenschafts- und Forschungspolitik seit 1945. (A)
  • Peter Lutz Kalmbach: Fliegende Standgerichte. Entstehung und Wirkung eines Instruments der nationalsozialistischen Militärjustiz. (A)
  • Margit Szöllösi-Janze: Archäologie des Wettbewerbs. Konkurrenz in und zwischen Universitäten in (West-)Deutschland seit den 1980er Jahren. (A)
  • Podium Zeitgeschichte: Mehr als eine Fußnote! Die Sowjetische Besatzungszone und die DDR in der deutschen und europäischen Geschichte: Jürgen John, Elke Scherstjanoi, Petra Weber, Frieder Günther, Florian Peters und Michael Schwartz - free access bis zum Erscheinen des nächsten Heftes

 

 

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Abstracts

Kiran Klaus Patel, Kooperation und Konkurrenz. Die Entstehung der europäischen Wissenschafts- und Forschungspolitik seit 1945

 

Der Autor untersucht, wie die Europäische Union (EU) zur zentralen Akteurin der Wissenschafts- und Forschungspolitik auf europäischer Ebene werden konnte. Die Ausgangsthese hierfür lautet, dass es den Vorläuferorganisationen der heutigen EU bei ihrer Gründung in den 1950er Jahren keineswegs in die Wiege gelegt war, einmal eine derartige herausragende Rolle zu spielen. Die Europäischen Gemeinschaften waren vielmehr in diesem Bereich ein Spätankömmling auf einer Bühne, auf der sich bereits andere Internationale Organisationen tummelten – ganz abgesehen von den Akteuren auf lokaler, nationaler oder globaler Ebene. Vor diesem Hintergrund beschreibt der Beitrag die wesentlichen Entwicklungsschritte und analysiert Stationen sowie die Gründe für den Bedeutungsgewinn der EU auf diesem Politikfeld.

 


Peter Lutz Kalmbach, Fliegende Standgerichte. Entstehung und Wirkung eines Instruments der nationalsozialistischen Militärjustiz

 

Fliegende Standgerichte – dieser Begriff steht für Tötungen, Abschreckung, aber auch Suggestion und damit für das terroristische Chaos in der Endphase des Dritten Reichs: Tausende Menschen sind durch diese Rache-Justiz der Nationalsozialisten bis in den Mai 1945 zu Tode gebracht worden. Der Autor begnügt sich nicht mit den Verweisen in der Fachliteratur auf SS-Kommandos oder die Standgerichtsverordnung des Reichsjustizministeriums vom Februar 1945. Um die Entstehung dieses Justiz-Instruments zu verstehen, ist es nötig einen längeren Zeitraum als 1944/45 in den Blick zu nehmen. Daher erläutert der Autor die Rahmenbedingungen zwischen 1933 und 1943, identifiziert zentrale Akteure und greift dabei auf Rechtsentwicklungen insbesondere des 19. und frühen 20. Jahrhunderts zurück.

 


Margit Szöllösi-Janze, Archäologie des Wettbewerbs. Konkurrenz in und zwischen Universitäten in (West-)Deutschland seit den 1980er Jahren

 

Die Durchsetzung des Wettbewerbsprinzips zwischen und innerhalb der deutschen Universitäten eignet sich als analytische Sonde, um dem radikalen Wandel des Hochschulsystems nachzuspüren. Angesichts der Probleme bei der Steuerung von Wissenschaft bei knappen Budgets und einem neuen, neoliberalen Wirtschafts-, Politik- und Denkstil bot sich seit den späten 1970er Jahren Konkurrenz als gesellschaftlich breit akzeptierter, Politik und Verwaltung entlastender Handlungsmodus an. Die Einführung kompetitiver Instrumente wie etwa des New Public Management installierte in den Universitäten ein marktförmiges, hierarchisches Governance-Regime. Die Entfesselung von Wettbewerb entpuppt sich als subtiler Steuerungsmechanismus, der dessen Stellschrauben verschleiert und die Universitäten für eine verstärkte Binnen- wie Außensteuerung öffnet.

 


Podium Zeitgeschichte: Mehr als eine Fußnote! Die Sowjetische Besatzungszone und die DDR in der deutschen und europäischen Geschichte

 

Die Erforschung der DDR-Geschichte ist notwendig, um gegenwärtige Problemlagen wie die in Ostdeutschland heute erkennbaren Spannungen besser zu verstehen, die zumindest teilweise in den Jahren zwischen 1945 und 1990 wurzeln. Zudem geht es um das nach wie vor aktuelle historiografische Problem, neue Fragen an die DDR als Teil der deutschen und europäischen Geschichte zu stellen. Die Autorinnen und Autoren des Podiums Zeitgeschichte thematisieren zunächst die Geschichte der Sowjetischen Besatzungszone (Jürgen John) und der frühen DDR (Elke Scherstjanoi). Petra Weber befasst sich dann mit der Gesellschaftsgeschichte der DDR im deutsch-deutschen Kontext, Frieder Günther stellt Überlegungen zur Behördenforschung im Ost-West-Vergleich an, und Florian Peters sucht nach dem historischen Ort der DDR in der Geschichte des östlichen Europa. Den Abschluss bilden Betrachtungen von Michael Schwartz zur Rolle der DDR in der Geschichte der zeithistorischen Transformationen seit den 1980er Jahren.