NS-Spielfilme im historischen Kontext

Tagungstelegramm: Der antisemitische Hetzfilm „Jud Süß“ (1940)

Am 23. Oktober 2025 fand die vierte Veranstaltung der Reihe „NS-Spielfilme im historischen Kontext“ statt, die seit Sommersemester 2024 in Kooperation von Fachschaft Geschichte der LMU, dem Lehrstuhl für Zeitgeschichte der LMU und dem Institut für Zeitgeschichte (IfZ) durchgeführt wird. Dass diesmal annähernd 100 Geschichtsstudierende der LMU sowie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von LMU und IfZ teilnahmen, bestätigt erneut das große Interesse an dem Format einer wissenschaftlich kommentierten Filmvorführung.

Im bewährten Rahmen von historischer Einordnung, Vorführung und Diskussion widmete sich die Veranstaltung dieses Semester dem berühmt-berüchtigten antisemitischen Propagandafilm „Jud Süß“ von 1940. Zu Beginn führte Andreas Rentz vom Zentrum für Holocaust-Studien des IfZ in die Biografie und literarische Nachwirkung Joseph Süß Oppenheimers ein, der 1738 einem antisemitischen Justizmord in Württemberg zum Opfer gefallen war. Johannes Hürter, Leiter des IfZ-Forschungsprojekts „Screening National Socialism: Ideology and Everyday Life in German Cinema 1933−1945“ (SCREENS), informierte anschließend über den zeithistorischen Kontext sowie die Produktions- und Rezeptionsgeschichte von „Jud Süß“.

An der Diskussion, moderiert von Johannes Großmann (LMU), beteiligten sich zwei Dutzend Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Thematisiert wurden Inhalte des Films, etwa die propagandistische Darstellung jüdischen Lebens, kapitalistischer Wirtschaft und christlicher Religion. Daneben war der Film aber auch Ausgangspunkt für Diskussionen mit dezidiertem Aktualitätsbezug. So stand die Frage nach Parallelen, Unterschieden und Kontinuitäten von Feindbildern und Propaganda im 20. und 21. Jahrhundert im Raum. Die Diskussion verdeutlichte die große Motivation vieler Teilnehmerinnen und Teilnehmer, aktuelle politische Entwicklungen in größere historische Zusammenhänge zu stellen. Die Sorge über demokratiefeindliche Tendenzen führte zur zentralen Frage, inwieweit sich aus der Geschichte Erkenntnisse für die Gegenwart gewinnen lassen.

Die Veranstalterinnen und Veranstalter waren sehr zufrieden mit dem Interesse des Publikums und der mittlerweile bewährten Zusammenarbeit, die stellvertretend für Kooperationen zwischen verschiedenen Institutionen und akademischen Statusgruppen in München steht. Auch die Evaluation unter den Teilnehmerinnen und Teilnehmern fiel sehr positiv aus. Dementsprechend soll das Format auch im Sommersemester 2026 fortgesetzt werden.

Text: Julia Bezold und Marius Oberberger (Fachschaft Geschichte der LMU)



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