Zeitschriften: Frauenforum und Der Feminist

Die „Neue“ oder „Zweite Frauenbewegung“ entstand während der stark männerdominierten Studentenbewegung Ende der Sechzigerjahre des Zwanzigsten Jahrhunderts. Als erste Zeitschrift erschienen ab 1972 die „Informationen des Frauenforum München e.V.“. In erster Linie für bessere Information, Koordination und Integration von nationalen und internationalen Frauengruppen initiiert, widmete sich das „Frauenforum“ auch lokalen politischen Prozessen und der Literaturkritik. Informationen über Ansprechpartnerinnen und Aktivitäten der Bewegung sowie über feministische Anliegen und Debatten waren für eine Bewegung, die sich als global verstand, in der Praxis aber häufig in kleinen Gruppen und lokal agierte, ein wichtiger Rückhalt.

Die Gründerin des „Frauenforums München e.V.“ Hannelore Mabry zeichnete als presserechtlich Verantwortliche und war auch Autorin fast aller Beiträge. Ab der ersten Nummer des Jahres 1974 wurde der Name der Zeitschrift in „Frauenforum - Stimme der Feministen“ geändert, gleichzeitig wandelten sich auch Ton und Charakter der Zeitschrift. Kämpferische Begriffe und Artikel gegen "Patriarchen und Patriarchalinnen" lösten die vormals weitgehend integrative Sammlung von Terminankündigungen, Berichterstattung sowie veranstaltungsorientierter Arbeit ab. Der von Beginn an gemischtgeschlechtliche Ansatz stieß und stößt bis heute in der autonomen Frauenbewegung auf Ablehnung. Mabrys politischer Stil forderte öffentliche wie auch vereinsinterne Kritik heraus. Die steigenden Spannungen führten im Winter 1975 zum Bruch. Mabry und einige andere trennten sich vom Frauenforum und gründeten in 1976 den "Förderkreis zum Aufbau der Feministischen Partei" (ab 1990 "Förderkreis Der Feminist"), dessen Organ ab 1976 in München bis 1999 als „Der Feminist“ erschien.

Hannelore Mabry arbeitete und lebte für ihre Ziele. Mit dem „Feministen“ hatte sie sich ein Forum geschaffen, in welchem sie ihre inzwischen ausgefeilten pazifistischen, feministischen und philosophischen Theorien veröffentlichen konnte.

Das Institut für Zeitgeschichte stellt beide, für die Entwicklung des deutschen Feminismus zentralen Zeitschriften im Volltext online zur Verfügung. Namens- und Schlagwortregister wurden sowohl für den Gesamtbestand als auch für die einzelnen Hefte erstellt und angefügt.

Für weitere Recherchen kann der Bestand Hannelore Mabry / Bayerisches Archiv der Frauenbewegung (Signatur ED 900) gemäß aktuell gültiger Benutzungsordnung des Archivs des Instituts für Zeitgeschichte eingesehen werden. Aus rechtlichen Gründen gelten in seltenen Fällen befristete Sperrungen.

Ute Elbracht und Klaus Lankheit im August 2021



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