Osteuropäischer Reformsozialismus und westdeutsche Linke

Abgeschlossenes Projekt

Projektinhalt:

Brachte der Umbruch von 1989–91 einerseits einen beispiellosen Siegeszug der Freiheit, bedeutete er andererseits auch das Scheitern des osteuropäischen Reformsozialismus – eines Projekts, das im Westen mit erheblichen Sympathien verfolgt worden war. Die Dissertation von Konrad Sziedat untersucht deshalb die Hoffnungen, die die westeuropäische Linke seit 1985 mit dem Reformprozess im Ostblock verband, und beleuchtet vor diesem Hintergrund die Enttäuschung, die dessen Zusammenbruch in der Folge evozierte. Ferner analysiert sie die Erneuerungsprozesse, die die westeuropäischen Mitte- bis Links-Parteien in den 1990er durchliefen, und fragt diesbezüglich nach dem Zusammenhang von Erwartung, Enttäuschung und politischer Neuausrichtung.


Gegenstand der Untersuchung sind die vier etablierten Parteien der bundesrepublikanischen und französischen Linken: SPD, Grüne, Parti socialiste und Parti communiste. Entsprechend geht es einerseits darum, markante nationale und parteiliche Spezifika auszuleuchten, sowie andererseits um den Aufweis übergreifender Trends der spät- wie dann der postkommunistischen Ära.


In den Fokus gerät dabei die Relevanz von – z.T. wiederbelebten – Utopien und Zukunftsprojektionen, aber auch die Frage nach den emotionalen Resonanzböden positiver Erwartungsbildungen. Untersucht werden zudem Modi der Enttäuschungsverarbeitung innerhalb demokratischer Systeme, etwa durch ein „Umlernen der Erwartungen“ oder „Abarbeiten von Enttäuschung“ (Luhmann). Ziel ist es, das Zusammenspiel von Erwartung und Enttäuschung als eine bislang wenig bedachte Dimension historischer Prozesse analytisch nutzbar zu machen.

Publikationen im Rahmen des Projekts

Erwartungen im Umbruch.

Konrad Sziedat

Erwartungen im Umbruch.

Quellen und Darstellungen zur Zeitgeschichte

Berlin 2019


 



© Institut für Zeitgeschichte