Veranstaltungen im Wintersemester 2021/22

Dr. des. Anna Corsten

Universität Erfurt
Seminar: Geschichte deuten im Zeitalter der Extreme
Zeit: Montags, 12-14 Uhr
Ort: Historisches Seminar, Universität Erfurt

Das 20. Jahrhundert prägte den wissenschaftlichen Umgang mit der Vergangenheit. Wissenschaftliche Verbände, Zeitschriften und Institutionen bildeten sich im ausgehenden 19. und beginnenden 20. Jahrhundert. Aber auch verschiedene Perspektiven auf die Geschichte kommen im 20. Jahrhundert auf und konkurrieren miteinander. Dieses Seminar beschäftigt sich sowohl mit der Entwicklung als auch mit Konzepten der Geschichtswissenschaft und nimmt dabei politik-, sozial- und wirtschaftsgeschichtliche, kultur- und geschlechtergeschichtliche Ansätze zur Erforschung der Vergangenheit in den Blick.

Literatur: Lutz Raphael, Geschichtswissenschaft im Zeitalter der Extreme. Theorien, Methoden, Tendenzen von 1900 bis zu Gegenwart, München 2010.


PD Dr. Nadine Freund

Universität Kassel
Seminar: Die frühe Bundesrepublik - Zwischen Kontinuität und Neubeginn
Zeit: 22.10., 16-18.00 Uhr, 04.12., 15.01. & 22.01., 10-18.00 Uhr
Ort: Arnold-Bode Str. 10, R. 1102

14 Jahre lang, von 1949 bis 1963, war der CDU-Politiker Konrad Adenauer Kanzler der BRD. Deshalb wird die frühe Bundesrepublik auch als "Ära Adenauer" bezeichnet. Das Seminar beschäftigt sich zunächst mit den Voraussetzungen, unter denen die zweite deutsche Demokratie, die BRD, als teilsouveräner Staat entstand. Es widmet sich dann den Grundzügen verschiedener Bereiche der Politik und des gesellschaftlichen Zusammenlebens in der frühen BRD. Dabei wird es auch um die politischen und gesellschaftlichen Veränderungen gehen, die sich während der langen Regierungsphase Adenauers vollzogen. Zwei Fragen sollen bei der Auseinandersetzung mit der Geschichte der jungen BRD im Vordergrund stehen: 1. Wieviel Kontinuität zu den vorangegangenen politischen Systemen prägte die junge Bundesrepublik und wieviel „Neubeginn“ lässt sich konstatieren?  2. Welche Rolle spielten die Existenz des zweiten deutschen Teilstaats DDR und der Kampf gegen den Kommunismus für die frühe BRD?


Haydée Mareike Haass

Universität zu Köln
Einführungsseminar: Polizeibataillone, Ordnungspolizei und Lehrer: Die Polizei in der Bundesrepublik und der Nationalsozialismus
Zeit: Freitags, 8.00 Uhr s.t. - 11.30 Uhr;
Ort: Universität zu Köln / einzelne Sitzungen digital

Ohne die Polizei wäre der Holocaust nicht möglich gewesen. Etliche ehemalige Polizeibataillone, Ordnungspolizisten und Männer waren am Holocaust beteiligt. Die Polizeischule Fürstenfeldbruck war eine zentrale Ausbildungsstätte während des Nationalsozialismus in Deutschland. Sie bildete nicht nur bayerische Beamte aus, sondern Polizisten aus ganz Deutschland. Die Polizeischule existierte auch nach 1945 fort. Sie sollte die Polizei nun zu „demokratischen Beamten“ und guten „Hütern der Ordnung“ erziehen. Ausgehend von der historischen Rolle der Polizeischule Fürstenfeldbruck untersucht das Seminar exemplarisch, wie Polizei, Justiz und Gesellschaft nach 1945 in Deutschland mit dem Erbe der Polizei aus dem Nationalsozialismus umgegangen sind.

Im Seminar wird schwerpunktmäßig der Zeitraum von 1945 bis Ende der 1970er Jahre beleuchtet. Jedoch fragen wir auch nach Ausbildungskonzepten und "Demokratieerziehung" der Polizei in der Weimarer Republik, wie nach der Rolle der Polizei(schulen) im Nationalsozialismus. Ziel der Einführungsveranstaltung ist es, durch multiperspektivische Quellen, wie Filme, Ausbildungsprogramme und Gerichtsurteile, ein breites Bild über die Polizeigeschichte in der Bundesrepublik und dem Nationalsozialismus zu erhalten.


Dr. Jürgen Kilian

Universität Bayreuth
Übung:
Europa unter der Herrschaft des Nationalsozialismus (1939-1945)
Zeit: Montag, 14.15 – 15.45 Uhr
Ort: digital
Beginn: 25. Oktober 2021

Neben der Vernichtung der europäischen Juden stellte die Errichtung eines „Großgermanischen Reiches“ das zentrale Ziel der Nationalsozialisten dar. Der Zweite Weltkrieg wurde daher von deutscher Seite als Raub- und Eroberungskrieg geführt, wobei große Teile des europäischen Kontinents unter Besatzungsherrschaft gestellt wurden. Die Folgen waren überaus vielfältiger Natur: Von wirtschaftlicher Ausbeutung, Zwangsarbeit und Repression über Verweigerung und Widerstand bis hin zu Kooperation und Kollaboration. Im Zuge der Veranstaltung werden sowohl die Situation in den einzelnen besetzten Ländern als auch die Perspektiven von Besatzern und Besetzten in den Blick genommen. Konkret wird das Geschehen durch die Einbeziehung zeitgenössischer Quellen zu veranschaulichen sein.

Einführende Literatur: Mark Mazower, Hitlers Imperium: Europa unter der Herrschaft des Nationalsozialismus, München 2009; Ahlrich Meyer, Die deutsche Besatzung in Frankreich: 1940-1944. Widerstandsbekämpfung und Judenverfolgung, Darmstadt 2000; Hans Umbreit, Die deutsche Herrschaft in den besetzten Gebieten 1942-1945, in: Bernhard Kroener u.a. (Hg.), Das Deutsche Reich und der Zweite Weltkrieg, Bd. 5/2, Stuttgart 1999, S. 1-272.


PD Dr. Christian Marx

Philipps-Universität Marburg
Vorlesung
: Geschichte der wirtschaftlichen und politischen Integration Europas nach 1945
Zeit: asynchron
Ort: digital
Beginn: 27.10.2021

Der Gründungsvertrag für die Europäische Gemeinschaft für Kohle und Stahl 1951/52 bildete den Grundstein für eine lang währende Zone politischer Stabilität und wirtschaftlicher Prosperität in Westeuropa. Gleichwohl differierten Ideen und Vorstellungen von Europa – sowohl hinsichtlich der Grenzen als auch im Hinblick auf die inhaltliche Ausgestaltung des Integrationsprozesses. Nach mehreren gescheiterten Anläufen trat Großbritannien 1973 ebenfalls der EG bei, um es knapp 50 Jahre später wieder zu verlassen. In der Geschichte der europäischen Integration blieb jener Austritt bis zur Gegenwart eine Ausnahme. Die Vorlesung behandelt die Geschichte Europas seit 1945 anhand zentraler Themenfelder und Konfliktlinien und gibt einen Überblick über die vielschichtige Entwicklung der europäischen Integration in politik-, sozial- und wirtschaftshistorischer Perspektive.

Einführende Literatur: Clemens, Gabriele / Reinfeldt, Alexander / Wille, Gerhardt: Geschichte der europäischen Integration. Ein Lehrbuch. Paderborn 2008; Jarausch, Konrad H.: Aus der Asche. Eine neue Geschichte Europas im 20. Jahrhundert. Stuttgart 2018; Judt, Tony: Die Geschichte Europas seit dem Zweiten Weltkrieg. Bonn 2006; Kershaw, Ian: Achterbahn. Europa 1950 bis heute. München 2019; Loth, Wilfried: Der Weg nach Europa. Geschichte der europäischen Integration 1939-1957. Göttingen 1990; Patel, Kiran Klaus: Projekt Europa. Eine kritische Geschichte. München 2018; Thiemeyer, Guido: Europäische Integration. Motive – Prozesse – Strukturen. Köln 2010; Wirsching, Andreas: Der Preis der Freiheit. Geschichte Europas in unserer Zeit. 2., aktualisierte Auflage. München 2012.

Philipps-Universität Marburg
Übung
: Geschichte und Theorie des Kapitalismus
Zeit: Donnerstags 10-12 Uhr
Ort: digital
Beginn: 28.10.2021

Vor dem Hintergrund der Industrialisierung und der Herausbildung immer größerer Produktionsbetriebe setzte sich der Begriff „Kapitalismus“ ab etwa Mitte des 19. Jahrhunderts zur klassengesellschaftlich-kritischen Beschreibung zeitgenössischer Verhältnisse durch. Seitdem dient der Begriff sowohl der wissenschaftlichen Analyse als auch zur Darstellung aktueller gesellschaftlicher Beobachtungen. Nach gängiger Lesart zeichnet sich Kapitalismus vor allem durch individuelle Eigentumsrechte, die Koordinierung wirtschaftlicher Akteure über Märkte und Preise sowie die (Re-)Investition von Kapital aus. Im Laufe des 20. Jahrhunderts erfuhr der Kapitalismus von zahlreichen Seiten Kritik, gleichzeitig unterlag er einem ständigen Wandlungsprozess, an dessen Ende sich neue Formen wie der Finanzmarktkapitalismus herausbildeten. Anhand ausgewählter Texte werden theoretische Erklärungsansätze und die historische Entwicklung des Kapitalismus eingehend analysiert.

Einführende Literatur: Kocka, Jürgen: Geschichte des Kapitalismus. München 2013; Lenger, Friedrich / Kufferath, Philipp (Hg.): Sozialgeschichte des Kapitalismus im 19. und 20. Jahrhundert. Bonn 2018; Neal, Larry / Williamson, Jeffrey G. (Hg.): The Cambridge History of Capitalism. 2 Volumes. Cambridge 2014; Plumpe, Werner: Das kalte Herz. Kapitalismus: Die Geschichte einer andauernden Revolution. Berlin 2019.


Dr. Caroline Mezger

Universität der Bundeswehr München
Seminar: Informelle Kommunikation, Propaganda und Information "von unten" im Europa des Zweiten Weltkriegs (1939-1945)
Termine: 25.-27. Februar 2022, Fr.14-18 Uhr, Sa/So 9-19 Uhr (Fr.-So., Blockseminar).

Im Laufe des Zweiten Weltkriegs befanden sich quer durch Europa geschätzt 200 Millionen Menschen unter deutscher Besatzung. Die Errichtung nationalsozialistischer Besatzungsstrukturen erschuf jedoch nicht nur neue soziale Realitäten, die von Gewalt, gesellschaftlichen Spaltungen, Massenmord und Holocaust geprägt waren. Vielmehr veränderte sie auch das kommunikative Umfeld von ganzen Besatzungsgesellschaften. In eine Situation gezwungen, in der Gewalt, Zensur und Propaganda vorherige mediale Öffentlichkeiten zerstörten, in der das vertraute soziale Umfeld zusammenbrach und gewohnte Kommunikationskanäle versiegten, wurden Menschen dazu gezwungen, alternative Informationsquellen zu finden. Nicht selten wendeten sie sich an informelle Kommunikationsformen, um ihre Situation einzuschätzen und ihr Überleben zu sichern: private Gespräche, Briefe, Flugblätter, Graffitis, Klatsch und Tratsch, Witze und Gerüchte.

Dieses Seminar widmet sich auf transnationaler und komparativer Ebene der informellen Kommunikation im Zweiten Weltkrieg, mit besonderem Blick auf das "Dritte Reich" und dessen besetzten Gebiete. Dabei untersucht es einerseits, wie mediale Öffentlichkeiten in Kriegszeiten funktionierten: Was gab es — sowohl im nationalsozialistischen Deutschland und in dessen besetzten Gebieten als auch unter den Alliierten — auf offizieller Ebene für Informationsangebote? Inwiefern wurde Kommunikation im Rahmen verschiedener politischer Systeme durch Propaganda, Zensur und Überwachung gelenkt, kontrolliert oder beschränkt? Andererseits fragt das Seminar nach den Reaktionen von Menschen auf nationalsozialistische Herrschaft: Wie reagierten Personen auf neue kommunikative Situationen, in denen ein beschränktes offizielles Informationsangebot existierte, in denen der freie Meinungsaustausch und die Verbreitung verlässlicher, verifizierbarer Informationen unterbunden wurden? Wie schufen Menschen durch Gerüchte, Witze oder Falschnachrichten Realitäten — und wie beeinflusste dies ihr Handeln? Wie versuchten Behörden, diesen informellen Informationsmarkt zu unterwandern?

Diese Fragen werden im Seminar anhand von diversen historischen Quellen (Propaganda, historische Filme, Presseartikel, Flugblätter, NS-Überwachungsberichte, Zeitzeugenberichte, usw.)  erkundet. Verschiedene Gastvorträge werden dabei näher untersuchen, wie einflussreich Kommunikationsformen wie das Gerücht in verschiedenen Kriegskontexten wurden: In der deutschen Kriegsgesellschaft, im besetzten Frankreich und während des Holocaust in Polen. Darüber hinaus werden wir uns mit Literatur auseinandersetzen, die sich in den letzten Jahrzehnten mit Themen wie dem Gerücht, dem Tratsch oder der Falschnachricht befasst hat. Dadurch erhofft sich das Seminar eine breitere Kontextualisierung aktueller Debatten über "Fake-News", "Lügenpresse" und Postfaktizität.

Literatur: Auszüge aus: Gordon W. Allport & Leo Postman, The Psychology of Rumor (New York: Henry Holt and Company, 1947); Marc Bloch, "Réflexions d’un historien sur les fausses nouvelles de la guerre" (1921); Jo Fox, "Confronting Lord Haw-Haw: Rumor and Britain’s Wartime Anti-Lies Bureau," Journal of Modern History, vol. 91, no. 1 (2019): 74-108; Amos Goldberg, "Rumor Culture among Warsaw Jews under Nazi Occupation: A World of Catastrophe Reenchanted," Jewish Social Studies, vol. 21, no. 3 (2016): 91-125; Christoph H. Roland, Das Gerücht im Dritten Reich zwischen 1939 und 1945: Soziologisch-Linguistische Betrachtungen zur Kommunikationsform des Gerüchtes (Dissertation, Universität Tübingen, 2001); Tamotsu Shibutani, Improvised News: A Sociological Study of Rumor (New York: The Bobbs-Merrill Company, 1966).


PD Dr. Thomas Schlemmer

Ludwig-Maximilians-Universität München
Basiskurs
: Faschistische Kriege. Politik und Kriegführung in Italien, Japan und Deutschland 1935 bis 1945
Zeit: Freitags, 14-17 Uhr
Ort: Historicum, K 302
Datum: 22.10.2021 - 11.02.2022

Zum Thema: Das 20. Jahrhundert ist als Zeitalter der Weltkriege in die Geschichte ein­ge­gan­gen, wobei der Zwei­te Weltkrieg als Kulminationspunkt des „Zeitalters der Extreme“ (Eric Hobs­bawm) gilt. Im Mittelpunkt dieses Seminars stehen Po­­litik und Kriegführung der fa­schis­ti­schen Kriegs­al­lianz mit dem Deutschen Reich, Italien und Japan an der Spitze. Beginnend mit dem Erobe­rungs­­krieg von Mussolinis Streitkräften in Ostafrika 1935/36 wird es um die Frage nach Ge­mein­samkeiten und Besonderheiten im Lager der sogenannten Achsenmächte ge­hen, wobei The­men wie Militärkultur, Großraumplanung, Gewaltpraxis und Besatzungs­herr­schaft eine be­so­ndere Rol­le zukommt. So lassen sich auch methodische Ansätze aus der Po­litik-, Militär-, Kul­tur- und Globalgeschichte miteinander verknüpfen.

Zum Ablauf des Seminars: Voraussetzungen für das Bestehen des Basiskurses sind (je nach Studienordnung) neben der re­­gel­­mäßigen aktiven Teilnahme die Übernahme eines Referats mit Thesenpapier sowie die An­­fer­ti­gung einer Haus­ar­beit zum Referat. Dazu kommt eine Klau­sur am Ende des Se­mes­ters, die aus zwei Teilen besteht: Fragen zum Thema des Se­mi­nars und Fragen, die das Fach (Zeit-)Geschichte sowie grundlegendende Techniken wis­sen­schaft­lichen Arbeitens be­tref­fen. Er­war­tet wird zudem die Lektüre ausgewählter Tex­te zur Vor­bereitung einzelner Sitz­un­gen so­wie die Bereitschaft zur Übernahme kleinerer Haus­­auf­ga­ben zur Vertiefung der im Se­minar behandelten Themen.

Do­zent: PD Dr. Thomas Schlemmer, Institut für Zeitgeschichte, Leonrodstr. 46 b, 80636 Mün­chen; Telefon 089/12688-162; E-Mail schlemmer[at]ifz-muenchen.de

Lehrassistenz: Moritz Fischer M.A., Institut für Zeitgeschichte, Leonrodstr. 46 b, 80636 Mün­chen; Telefon 089/452084-113; E-Mail fischer[at]ifz-muenchen.de

Sprechstunde: nach Vereinbarung

Einführende Literatur:

  • Miguel Alonso/Alan Kramer/Javier Rodrigo (Hrsg.), Fascist Warfare, 1922-1945. Aggression, Oc­cu­pa­tion, An­nihilation, Cham 2019.
  • An­tony Beevor, Der Zweite Weltkrieg, München 2014.
  • Ri­chard J.B. Bosworth (Hrsg.), The Oxford Handbook of Fascism, Oxford 2009.
  • Daniel Hedinger, Die Achse. Berlin – Rom – Tokio 1919-1945, München 2021.
  • Lutz Klinkhammer/Amedeo Osti Guerrazzi/Thomas Schlemmer (Hrsg.), Die „Achse“ im Krieg. Po­li­tik, Ideo­lo­gie und Kriegführung 1939 bis 1945, Paderborn u.a. 2010.
  • Ger­hard Schreiber, Der Zweite Weltkrieg, München 52013.
  • Ger­hard L. Weinberg, Eine Welt in Waffen. Die globale Geschichte des Zweiten Weltkriegs, München 1995.
  • Thomas W. Zeiler/Daniel M. DuBois (Hrsg.), A Companion to World War II, 2 Bde., Malden u.a. 2013.

Dr. Kerstin Schwenke

LMU München
Übung
: Der Eichmann-Prozess und seine Bedeutung in Deutschland und Israel
Zeit: Mittwoch, 14-16 Uhr c.t.
Beginn: 20.10.2021
Ort: Amalienstr. 73, R. 220 (und hybrid über Zoom)
Dozentinnen: Julia Treindl (LMU) und Dr. Kerstin Schwenke (IfZ)

Als Leiter des „Judenreferats IV B 4“ im Reichssicherheitshauptamt sowie in verschiedenen anderen Positionen organisierte Adolf Eichmann während des Nationalsozialismus die Verfolgung, Vertreibung und Deportation von Jüdinnen und Juden und war somit mitverantwortlich für die Ermordung von geschätzt sechs Millionen Menschen. Nach seiner Entführung aus Argentinien, wohin er 1950 geflohen war, durch den israelischen Geheimdienst wurde er in Israel vor Gericht gestellt. Anlässlich des 60. Jahrestags des Eichmann-Prozesses (er endete am 15. Dezember 1961) setzt sich die Übung kritisch mit der öffentlichen und wissenschaftlichen Rezeption Adolf Eichmanns und seiner Verbrechen auseinander. Dabei wird insbesondere Hannah Arendts Analyse der Verbrechen Eichmanns und des Prozesses und ihr Konzept der „Banalität des Bösen“ in „Eichmann in Jerusalem“ diskutiert. Auch auf die Rezeption des Prozesses in Israel und Deutschland wird eingegangen.

Einführungsliteratur: Hannah Arendt, Eichmann in Jerusalem. Ein Bericht von der Banalität des Bösen, München 2011; David Cesarani, Adolf Eichmann. Bürokrat und Massenmörder – Biografie, Berlin 2004; Rebecca Wittmann (Hrsg.), The Eichmann Trial Reconsidered, Toronto 2021.


PD Dr. Martina Steber

LMU München
Vertiefungskurs Neueste Geschichte und Zeitgeschichte
„Deutsche Kunst“. Kulturkonservatismus zwischen Weimarer und Bonner Republik
Zeit
: Mittwoch, 10-13 Uhr
Ort: K 507, SF

Die Weimarer Republik wird als kulturelles Labor der Avantgarde und als wegweisendes Experimentierfeld metropolitaner Populärkultur erinnert. Nicht selten repräsentiert Berlin das progressive Weimar. Dieses Bild ist nicht falsch, aber es ist unvollständig. Nicht weniger kulturelle Wirkmächtigkeit entfaltete eine konservative Strömung in Musik, Malerei oder Literatur, auf den Bühnen, in den Konzertsälen und auf dem Markt der Kulturzeitschriften. München war eines ihrer Zentren. Ihr ging es um die klassische Tradition, um Volksverbundenheit, um nationale Werte, um Heimat und Deutschtum oder um die Religion. Zur Avantgarde hielten die kulturkonservativen Künstlerinnen und Künstler entschiedene Distanz. Die Nationalsozialisten schöpften einerseits aus solchen kulturellen Beständen, andererseits grenzten sie sich von ihnen ab. In der jungen Bundesrepublik wurden sie revitalisiert, um kulturelle Kontinuitäts- und Diskontinuitätslinien jenseits des NS-Regimes gleichermaßen zu etablieren.

Der Vertiefungskurs erschließt die vielfältige Landschaft des Kulturkonservatismus zwischen den 1920er und den 1950er Jahren. Er schlüsselt ihre intellektuellen und kulturellen Arenen auf, beleuchtet ausgewählte Protagonistinnen und Protagonisten und fragt nach Kontinuitäts- und Diskontinuitätslinien um die Zäsuren von 1933 und 1945. Damit nähert er sich den großen Fragen der deutschen Geschichte auf dem Wege der Kulturgeschichte und fächert ein reiches Forschungsfeld auf, das zum interdisziplinären Dialog einlädt.

Einführende Literatur:

  • Sabina Becker, Experiment Weimar. Eine Kulturgeschichte Deutschlands 1918-1933, Darmstadt 2018.
  • Moritz Föllmer, Ein Leben wie im Traum. Kultur im Dritten Reich, München 2016.
  • Pamela M. Potter, What Is „Nazi Music“?, in: The Musical Quarterly 88 (2006), S. 428–455.
  • Adelheid von Saldern, „Kunst für‘s Volk“. Vom Kulturkonservatismus zur nationalsozialistischen Kulturpolitik, in: Harald Welzer (Hg.), Das Gedächtnis der Bilder. Ästhetik und Nationalsozialismus. Tübingen 1995, S. 45–104.
  • Otto Weiß, Kulturkatholizismus. Katholiken auf dem Weg in die deutsche Kultur 1900-1933. Regensburg 2014.

Dr. Sebastian Voigt

1.)
Ruhr-Universität Bochum
Übung für Fortgeschrittene
: Antisemitismus im 19 Jahrhundert
Ort: Zoom
Beginn: 12 - 14.11 & 26 - 28.11. 2021

2.)
Universität der Bundeswehr München
Seminar: Antisemitismus und Judenfrage im 19. und frühen 20. Jahrhundert
Ort: Zoom
Beginn: 29.- 31. 10.2021


Prof. Dr. Hermann Wentker

Universität Potsdam
Oberseminar
: Deutsch-deutsche Geschichte in den 1980er Jahren
Ort: Raum 1.12.014
Zeit: Montags, 8:00 - 10:00 Uhr
Beginn: 25.10.2021

Das Seminar konzentriert sich auf die politische Geschichte der beiden deutschen Staaten im Jahrzehnt vor der Wiedervereinigung. Thematisiert werden die innere Entwicklung genauso wie die Außenpolitik beider Staaten, wobei ein besonderer Schwerpunkt auf die deutsch-deutschen Beziehungen gelegt wird. Ein wichtiger Aspekt des Seminars wird die Frage sein, ob und inwiefern beide Staaten und Gesellschaften auch nach dreißig Jahren der Trennung noch aufeinander bezogen waren.

Literatur:

  • Eckart Conze, Die Suche nach Sicherheit. Eine Geschichte der Bundesrepublik von 1949 bsi in die Gegenwart, München 2009
  • Michael F. Scholz, Die DDR 1949-1990, in: Gebhardt. Handbuch der deutschen Geschichte, Bd. 22, 10. Auflage, Stuttgart 2009, S. 224-554
  • Petra Weber, Getrennt und doch vereint. Deutsch-deutsche Geschichte 1945-1989/90, Berlin 2020


© Institut für Zeitgeschichte
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