Geschichte des IfZ

Die Wurzeln des Instituts für Zeitgeschichte reichen bis in die Besatzungszeit nach dem Zweiten Weltkrieg zurück. Schon 1947 gab es in der amerikanischen Zone Bestrebungen, ein „Institut zur Erforschung der nationalsozialistischen Politik“ zu gründen. Unter etwas verändertem Namen – „Deutsches Institut für Geschichte der nationalsozialistischen Zeit" – begann das Institut 1949 mit seiner Arbeit. Sie wurde seit 1950 durch finanzielle Zuweisungen des Bundes und des Freistaates Bayern getragen. 1952 erhielt das Institut seine bis heute gültige Bezeichnung „Institut für Zeitgeschichte“. Von diesem Zeitpunkt an war die Tätigkeit des Instituts, von dem zunächst auch politische Bildungsarbeit erwartet wurde, „von ausschließlich wissenschaftlichen Gesichtspunkten bestimmt“.

Im September 1961 erhielt das Institut seine heutige rechtlich-organisatorische Struktur. Als „Stiftung zur wissenschaftlichen Erforschung der Zeitgeschichte“ hat es seitdem die Rechtsform einer öffentlichen Stiftung des Bürgerlichen Rechts, die von der Bundesrepublik Deutschland, dem Freistaat Bayern und weiteren sechs Ländern getragen wird. Seit 1975 erfolgt die Finanzierung der Daueraufgaben des Instituts nach Art. 91b GG gemeinsam durch den Bund und die Länder. Damit gehört das Institut zu den Forschungseinrichtungen der „Blauen Liste", die sich 1995 zur „Wissenschaftsgemeinschaft Blaue Liste" zusammengeschlossen haben und heute unter dem gemeinsamen Dach der Leibniz-Gemeinschaft firmieren. Im Mittelpunkt der Forschungsarbeit des Instituts stand in den ersten Jahrzehnten seines Bestehens die nationalsozialistische Diktatur und ihre Vorgeschichte sowie ihre unmittelbaren Folgen. Seit den 1970er Jahren bilden die Geschichte der Bundesrepublik Deutschland und der DDR, die auch in ihren internationalen Zusammenhängen untersucht werden, weitere Schwerpunkte.

Aktenedition und Forschungsabteilung in Berlin

1989 erhielt das IfZ den Auftrag, die „Akten zur Auswärtigen Politik der Bundesrepublik Deutschland" herauszugeben. Das Auswärtige Amt hatte sich damals entschlossen, seine dritte Aktenedition im 20. Jahrhundert nicht mehr wie die Vorgängerinnen „Die Große Politik der Europäischen Kabinette 1871-1914" und „Akten zur deutschen auswärtigen Politik 1918-1945" selbst zu betreuen, sondern an ein unabhängiges Forschungsinstitut zu vergeben. Für die Durchführung der Editionsarbeiten richtete das Institut eine Abteilung im Auswärtigen Amt in Bonn ein. Im Juni 1990 begann eine zunächst aus sechs Historikern bestehende Editionsgruppe mit der Dokumentation der Außenpolitik der Bundesrepublik Deutschland auf der Grundlage des Schriftgutes im Politischen Archiv des Auswärtigen Amts. Im Sommer 2000 zog die Editionsgruppe mit dem Politischen Archiv des Auswärtigen Amts nach Berlin um. Seither werden von der Abteilung AAPD des IfZ Aktenstücke in Abstimmung mit dem Herausgebergremium ausgewählt, kommentiert und unmittelbar nach Ablauf der 30-Jahres-Sperrfrist jeweils in Jahresbänden der Öffentlichkeit präsentiert.

In den 1990er Jahren wurde außerdem die Berliner Abteilung zur Erforschung der Geschichte der DDR und der Sowjetischen Besatzungszone (SBZ) gegründet. Das Institut für Zeitgeschichte hatte sich  bereits vor 1990 intensiv mit der Geschichte des deutschen Oststaats auseinander gesetzt. Nach dem Zusammenbruch der DDR entstand im Institut der Plan, im Raum Potsdam/Berlin eine eigene wissenschaftliche Abteilung aufzubauen. Die Abteilung nahm zu Beginn des Jahres 1994 in Potsdam in unmittelbarer Nähe des Bundesarchivs ihre Arbeit auf und zog nach der Auflösung des Archivstandorts Potsdam im Juni 1996 nach Berlin um.

Dokumentation Obersalzberg und Zentrum für Holocaust-Studien

Im Auftrag des Freitstaats Bayern begann das IfZ 1999 mit dem Aufbau der Dokumentation Obersalzberg, konzipierte dort die Dauerausstellung und entwickelte ein umfangreiches Bildungsangebot. Die Dokumentation am historischen Ort verbindet die Geschichte von Hitlers zweitem Regierungssitz mit einer umfassenden Darstellung des Nationalsozialismus und hat sich seither zu einem Besuchermagneten entwickelt. Im Sommer 2013 ebnete die Staatsregierung deshalb den Weg für einen Erweiterungsbau und eine Neukonzeption der Dauerstellung.

Das jüngste Projekt des Instituts ist das Zentrum für Holocaust-Studien: Es wurde 2013 am Hauptstandort München gegründet, um die deutsche und internationale Forschung über den Holocaust institutionell zu stärken. Es führt eigene Forschungs- und Editionsprojekte durch und schafft mit Gastwissenschaftlerprogrammen und Konferenzen einen Kommunikationsraum für Historikerinnen und Historiker aus aller Welt.



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