Forschende ohne Zukunft?

Tagungstelegramm: Wissenschaftszeitvertragsgesetz und Drittmittelbefristung in den Geisteswissenschaften

Über die prekäre Lage vieler Forschender in den Geisteswissenschaften wird schon lange intensiv diskutiert. Nachdem das Bundesforschungsministerium im März 2023 eine Novelle des Wissenschaftszeitvertragsgesetzes (WissZeitVG) vorstellte und aufgrund massiven Widerstands kurz darauf zurückziehen musste, gewann die Debatte eine neue Dynamik. Immer mehr Stimmen warnen vor den schädlichen Folgen der geplanten Reform: für die Universitäten und Forschungseinrichtungen, für den Wissenschaftsstandort Deutschland und vor allem für die überwiegend befristet beschäftigten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler.

Die Kontroverse hat gezeigt, dass die Arbeitsbedingungen in der Forschung mit einer Gesetzesreform allein nicht dauerhaft verbessert werden können. Ohne eine Stärkung der Grundfinanzierung und eine Reduzierung der Drittmittelförderung wird auch ein neues WissZeitVG wissenschaftliche Karrieren weder sicherer noch planbarer machen. Im komplexen föderalen Wissenschaftssystem ist dieses Ziel jedoch nur im Zusammenspiel von Bund und Ländern zu erreichen. Das Podium brachte daher Entscheidungsträger beider politischen Ebenen mit Vertretern der Geschichtswissenschaft und von Beschäftigteninitiativen zusammen, um mögliche Wege zu diskutieren, das deutsche Wissenschaftssystem zum Nutzen aller zu reformieren.

Am 23. Januar 2024 diskutierten im IfZ in München Laura Kraft (Obfrau der Fraktion von Bündnis 90/Die Grünen im Ausschuss für Bildung, Forschung und Technikfolgenabschätzung im Deutschen Bundestag), Sebastian Kubon (Historiker und Mitinitiator von #IchBinHanna), Michael Piazolo (Freie Wähler, Vorsitzender des Ausschusses für Wissenschaft und Kunst im Bayerischen Landtag), Lutz Raphael (Vorsitzender des Verbandes der Historiker und Historikerinnen Deutschlands) und Helena Schwinghammer (IfZ). Die Moderation übernahm die Zweite Stellvertretende Direktorin des IfZ Martina Steber.

Die Veranstaltung fand auch als Zoom-Webinar statt und wurde aufgezeichnet. Wer sie verpasst hat, kann sie nun auf dem YouTube-Kanal des IfZ im Video nachsehen:



© Institut für Zeitgeschichte
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