Geschichte des Nationalsozialismus in Kempten

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter (IfZ):  Dr. Rouven Janneck
Projektinhalt:

Kempten gehörte in den 1930er Jahren mit über 20.000 Einwohnerinnen und Einwohnern zu den bedeutenden Mittelstädten im südbayerischen Raum. Wie im gesamten Deutschen Reich begann mit der Machtübertragung an die Nationalsozialisten auch in Kempten nicht nur der Prozess der Gleichschaltung, sondern auch der nationalsozialistischen Neuordnung der Gesellschaft. Sie zielte auf die Realisierung der rassistisch-biologistisch grundierten Volksgemeinschaftsutopie, die die Träger der lokalen nationalsozialistischen Herrschaft im überschaubaren Raum alltäglichen Lebens, Arbeitens und Handelns ab 1933 durchzusetzen begannen. Auf diese Weise sorgten sie dafür, dass sich NS-Ideologie und NS-Regime tief in die Gesellschaft eingruben.

Das Projekt untersucht die Mechanismen und Folgen der nationalsozialistischen Durchdringung der Kemptener Gesellschaft, es analysiert die Motive und Handlungsspielräume zentraler Akteurinnen und Akteure und fragt nach den Räumen, in denen sich nationalsozialistische Politik manifestierte. Ausgehend von einer breiten und aktuell sehr aktiven stadtgeschichtlichen Forschung zum NS-Regime richtet das Projekt sein Augenmerk auf drei große Themenfelder: Erstens steht das Handeln der Kommunalverwaltung unter der Leitung des langjährigen Ersten Bürgermeisters Otto Merkt und seines Nachfolgers im Mittelpunkt. Zweitens rückt die Durchdringung der Stadtgesellschaft durch die NSDAP und ihre Organisationen, aber auch durch die bürgerlichen Vereine und Assoziationen, die sich der NS-Ideologie verschrieben, in den Fokus. Drittens richtet das Projekt den Blick auf die Opfer nationalsozialistischer Ausgrenzung und Gewalt. Das Ineinandergreifen und die Wechselwirkungen dieser Themenfelder werden dabei anhand ausgewählter kommunalpolitischer Handlungsfelder veranschaulicht.

Der zeitliche Schwerpunkt des zweieinhalbjährigen Projekts liegt auf den Jahren der NS-Herrschaft zwischen 1933 und 1945. Dabei führt es die historischen Linien bis an die Jahrhundertwende, in den Ersten Weltkrieg und die Weimarer Republik zurück, wenn es für ein Verständnis der untersuchten Phänomene erforderlich ist. Das betrifft die Geschichte der NSDAP und ihrer Organisationen, aber auch die Biografien einzelner Akteurinnen und Akteure oder die politischen Allianzen zwischen bürgerlichen Parteien und der extremen Rechten. Die Studie zur Geschichte des Nationalsozialismus in Kempten wird die lokalen und regionalen Spezifika der Kemptener Entwicklung herausarbeiten und in ihre weiteren Zusammenhänge einordnen.

Salzstraße Kempten am 1. Mai 1935 (Bildnachweis: Stadtarchiv Kempten)



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